Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 6. Februar 1944

6.2.43. [richtig wohl: 1944]

Lieber Gisbert!

Ich gratuliere zunächst herzlich zum Geburtstag. Wie Du wohl schon von Mutter gehört hast, bin ich jetzt versetzt worden und zwar unsere ganze Klasse nach Werden. Wo ich jetzt liege oder besser gesagt, wo die Batterie liegt, wobei ich bin, ist ganz einsam gelegen. Die Verbindung nach Steele ist miserabel. Ich brauche bis zu Hause 2 Stunden. Der Grund für die Versetzung ist folgender: Vor 3 Wochen sind alle Schüler des Jahrganges 1928 zur Flak eingezogen worden. Unsere Batterie bekam ungefähr 50 Mann zugeteilt. Jetzt waren also etwa 100 Lw.-Helfer in der Batterie. Da in einer Schwesterbatterie von uns aber zu wenig Lw.-Helfer waren, kamen zirka 35 Lw.-Helfer zu der Batterie in Werden. Und dazu zählte ich auch. Ich liege nun auf einer 9 Mann Bude. – Das Leben hier ist ganz anders als in der alten Batterie viel militärischer. Man hat sich in der Stellung nur im Laufschritt zu bewegen usw. - - - -

Vorige Tage mußte ich zur Musterung. Ich meldete mich zu den Fliegern. Ich wurde als KOB bei der Fliegertruppe vorgesehen. Ich werde aber zum RAD vorläufig nicht eingezogen weil ich angab, ich hätte vor mein Abitur

zu machen und zwar bevor ich in den Arbeitsdienst käme. Mein Abi werde ich natürlich nicht mehr bekommen, aber den Reifevermerk. –

Augenblicklich haben wir oft Alarm, und wenn man sich abends hinsetzt, ertönen die allzu sehr bekannten Sirenen Hupen + verhallen in den Baracken. Sich mal hinsetzen um einen Brief zu schreiben (ohne Unterbrechung) gibt es kaum.

Also herzliche Grüße

Fritz

Übrigens habe ich Deinen angesagten Brief noch nicht erhalten.

F.