Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 11. Februar 1944

O. U. den 11.2.1944.

Lieber Gisbert!

Gestern erhielt ich Deinen Brief, wofür ich bestens danke. Vor einigen Tagen schickte ich Dir einen Brief wodrin ich Dir von meiner Versetzung schrieb. Ich schreibe diesen Brief in aller Frühe um 3 Uhr morgens. Denn ich habe gerade den Telephonposten (Flugmelder) für 2 Stunden (von 3-5) übernommen.

Ich muß jeden 6. Tag 2 Stunden tagsüber und 2 Stunden nachts Posten stehen. –

Übrigens fällt mir gerade ein, daß Du am 13. Februar Namenstag hast und gratuliere ich recht herzlich.

Die vielen Alarme in den vorigen Nächten haben mich saumüde gemacht und ich bin augenblicklich zu faul etwas Anstrengendes zu tun. Vor 10-11 Uhr kommen wir abends wegen Alarm nicht in unsere Koje. Gegen 1-2 Uhr werden wir wieder vom Strohsack verscheucht und laufen den so bekannten Weg zum Geschütz. Oft heißt es dann „sehr wahrscheinlich“ eine Feinmaschine, wobei sich nachher herausstellt, daß es ein deutscher Jäger war. – Gerade kam von der Abteilung durch daß ab 3.51 Alarmbereitschaft besteht. Jetzt geht die Scheiße schon wieder los. Wenn gleich Alarm kommt, muß ich meinen Posten verlassen und zum Geschütz laufen. Deshalb will ich schnell meinen Brief beenden. – Nach der jetzigen Luftlage zu urteilen ist nur ein Störflugzeug eingeflogen.

Für heute also herzliche Grüße

Fritz

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