Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 17. Mai 1944
17.5.44.
Lieber Gisbert.
Ich danke Dir herzlich für Deinen Brief. Dir scheint es ja auch nicht allzu gut zu gehen. Karl-Heinz ist ja gestern wieder in Urlaub gekommen. Diesmal hat er 14 Tage Genesungsurlaub und der Arbeitsantrag geht auch durch. Karl-Heinz hat ja in letzter Zeit immer Glück. Es kann sein, daß Günter über Pfingsten in Urlaub kommt. Wenn Du auch kommen könntest wären wir alle vier mal wieder zusammen. Aber das wird ja doch nicht klappen. –
Ich war vorige Tage mal zu Hause und geht es Mutter sehr schlecht. Sie hat dauernd Gallenbeschwerden und ißt fast überhaupt nichts. – Mir geht es immer noch gut. Vor 14 Tagen bin ich zum Lw.-Oberhelfer befördert worden. –
Vorige Tage mußten alle vom Jahrgang 1928 zur Polizei kommen. Dort wurde ihnen eingeredet,
sie sollten doch zu Waffen SS gehen; wenn nicht, würden sie zu den Sturmpionieren oder zur Infantrie geschrieben. Nur diejenigen die sich schon zur irgendeiner Waffengattung freiwillig gemeldet haben sind davon ausgeschlossen. Den höheren Schülern wurde sogar gedroht, wenn sie sich nicht zur SS melden würden, würden sie von der Penne fliegen. Da bist Du von den Ohren!! Was. In der Zeit schrieb man nachher es hätten sich sogar 75 % zur SS gemeldet. Ich möchte nur mal wissen wo die sind. Na ja ist ja wurscht!
Herzliche Grüße
Fritz