Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 26. Juni 1944

Zeugnis
Versetzung
Urlaub
RAD

26.6.1944.

Lieber Gisbert!

Endlich komme ich dazu Dir den angekündigten Brief zu schreiben. Ich habe heute nämlich Wachtag und muß mal wieder 4 Stunden Tischposten stehen. Jetzt kann man mal wieder in Ruhe seine Briefe beantworten. Gestern hatte ich für 24 Stunden Ausgang. Es gibt hier auch nur noch Ausgang, da jetzt überall Urlaubsperre ist. Karl-Heinz hat ja noch mal eine Urlaubsverlängerung eingereicht. Wenn diese aber nicht gestattet wird, muß er am Mittwoch, also in 2 Tagen, wieder zur Truppe fahren. –

Wie Dir wohl bekannt ist, liege ich jetzt in einer 10,5 cm Großkampfbatterie, und zwar kurz vor Oberhausen. Das hier mehr los ist als vorher bei der leichten Flak, daß kannst Du Dir ja denken. Die Großkampf-

batterie, welche aus zwei Batterien besteht, die sofort nebeneinanderstehen, hat bis jetzt 21 Abschüsse. Das ist verdammt eine Leistung. Ich habe hier in der Heimat noch von keiner Batterie gehört, die soviel Abschüsse hat. Am 5. März lag die Batterie noch bei Krupp. Beim Angriff wurde die Batt. ganz schwer zur Sau gemacht, so daß sogar 6 Lw.-Helfer ihr Leben lassen mußten. –

Augenblicklich haben wir über 60 Luftwaffenhelfer hier. Der größte Teil wird aber hiervon am 15 Juli entlassen, da wir Anfang August zum Arbeitsdienst sollen. Wenn ich am 15 Juli entlassen werde, fahre ich mit Mutter für 14 Tage nach Wakenfeld zur Erholung. Hoffentlich klappt es. –

Du wirst ja jetzt auch genug von unserer Vergeltungswaffe hören. Kannst Du eigentlich von Deinem Standpunkt aus den Brand in England beobachten. –

Übrigens bin ich an der Kanone K2. Also wieder am Geschütz.

Herzliche Grüße von Deinem Br.

Fritz