Fritz Kranz an Bruder Gisbert, August 1944 (?)
Lieber Gisbert!
Jetzt bin ich von Wien wieder nach Hause zurückgekehrt und habe die Prüfung bestanden. Die Prüfung dauerte 2 Tage. Freitag Morgen um 5 Uhr begann sie. Erst schriftlich: In 22 Minuten einen Aufsatz! Thema: Geiz + Ehrgeiz, dann in 14 Minuten 5 Mathematikaufgaben (eingekleidet), in 9 Minuten 10 allgemeine Fragen schriftl. beantworten. Dann Sport: In drei Minuten unbegrenzte Male über eine 3 m. hohe Bretterwand klettern mit Affen gefüllt mit Steinen. Ich kam 14 mal drüber; die höchste Zahl die beim Sport erreicht wurde war 17 mal drüber. Der Durchschnitt lag 8-10 mal drüber. Dann Geräteturnen am Pferd,
Barren und Reck. Hier hatte ich nicht so gut abgeschnitten, da ich schon 3 Jahre kein Geräteturnen mehr gemacht hatte. Danach wurden wir in einen Raum geführt, in welchem jeder vor alle Offiziersbewerber und vor einem Oberst einen Lehrunterricht über ein bestimmtes Thema abhalten mußte. Ich mußte über das Thema Oel einen Lehrunterricht abhalten, welcher einigermaßen gut hinhaute. Danach mußte jeder einzeln zum Oberst kommen, der dann über die Mängel der ganzen Prüfungsarbeiten und über private Dinge sprach. Am Samstag Morgen um 5 Uhr begann dann erst die richtigen Fliegertauglichkeits-
prüfung. Wir wurden bis aufs Kleinste untersucht, hauptsächlich die Augen. So schlechte Augen, wie ich immer gedacht habe, hab ich garnicht. Das räumlich und Nachtsehen habe ich sogar mit gut bestanden, welches für die Fliegerei sehr wichtig ist. In einem komplizierten Stuhl wurde ich nach allen Richtungen auf Schwindeligkeit geprüft. Dann noch so viele Kleinigkeiten, die ich aber nicht erwähnen kann, sonst werde ich überhaupt nicht fertig. Auf alle Fälle habe ich die Prüfung bestanden. Und damit Basta. –
Hans Moser habe ich persönlich auf dem Bahnhof vor der Rückfahrt gesehen.