Fritz Kranz an seine Eltern, 30. Oktober 1944
O. U. den 30.10.44.
Liebe Eltern!
Heute kam ein neuer RAD Mann aus Essen nach hier und berichtete von den schweren Terrorangriffen auf unsere Heimatstadt. Ich war dauernd um Sorge um Euch, ob wir zu Hause wieder Bomben auf’s Dach bekommen hätten. Nun hörte ich aber daß nur auf dem Laurentiusweg eine Mine gefallen sein sollte. In Essen selbst soll es ja wüst aussehen. Der Hauptbahnhof soll ja jetzt total wegsein. Der Haupteisenbahnverkehr soll über Rüttenscheid gehen. Na, ich will das Beste hoffen, daß Ihr die Angriffe gut überstanden habt und daß noch alles in Ordnung ist. – Gestern hatten wir das erste Mal für ein paar Stunden Ausgang. Wegen der Diaspora hatte ich mal hier in der Stadt herumgefragt. Mein Fragen war aber zwecklos. Die ganze Gegend ist evangelisch. So ist es mir also nicht vergönnt hier mal eine Messe anzuhören. – Ich hatte mir mal gestern Husum und den Hafen angeschaut. Den Hafen hatte ich mir viel größer vorgestellt. Ich konnte abends gut speisen. Ich bekam Scholle und Bratkartoffel. Ich habe noch nie Scholle gegessen
aber so was leckeres habe ich lange nicht mehr gegessen. –
Ich hatte ja geschrieben daß wir hier auf dem Flugplatz zum Einsatz kommen. Daß stimmt aber nicht. Gestern ist nämlich ein neuer Befehl herausgekommen, daß wir alle Ausbildungsdienst haben sollen, und nicht Arbeitsdienst.
Ihr müßt schon entschuldigen, wenn ich nicht so oft schreibe. Aber wir haben jeden Tag 13 Stunden Dienst und da bleibt wenig Zeit zum Schreiben. Sorgt Euch aber nicht um mich. Mir geht es nämlich sonst ganz gut. Schreibt mir bitte was in Steele los ist. Also, seid herzlich gegrüßt von
Eurem Fritz.