Fritz Kranz an seine Eltern, 5. November 1944

O. U. den 5.11.44.

Liebe Eltern!

Euren Brief vom 28.10.44. habe ich erhalten. Ich danke bestens dafür. Endlich erhielt ich ein Bild von den Angriffen auf Essen und Steele. Es muß ja in Steele jetzt furchtbar aussehen. Wir haben also auch wieder Schaden gehabt. Wir können ja noch von Glück reden daß die Wohnräume ganz sind. Aber die Arbeit, die Ihr wieder hattet, kann ich mir vorstellen, da nun wieder ein unvermeidlicher Hausputz beginnt. Es war gut, daß Karl da war, er konnte dann wenigstens helfen. Na ja, wir können Gott danken, daß das Haus noch steht. Die Kirche ist also auch total zerstört. – Wie Vater schreibt haben wir Vikar Holtmann und Haushälterin aufgenommen. Wo schlafen diese denn. Hoffen wir das Beste, daß Ihr endlich mal von den Fliegern in Ruhe gelassen werdet. – Gisbert hat also noch immer nicht geschrieben. Wo mag er wohl stecken. – Wie geht es Euch denn sonst noch. Wo ist Karl? Ist er schon zur Kriegsschule weggekommen. Übrigens kommen hier nur welche in Urlaub, die Totalschaden mit Angehörigenverlust haben. Es

sind schon so viele Kameraden von mir jetzt totalgeschädigt, die aber alle nicht in Urlaub gehen dürfen.

Also seid herzlich gegrüßt

von Fritz.

Grüßt bitte auch den Herrn Vikar.