Fritz Kranz an seine Eltern, 6. November 1944

O. U. den 6.11.44.

Liebe Eltern!

Euren Brief von Allerheiligen habe ich erhalten und danke ich bestens dafür. Mutter schreibt, daß Karl jetzt nach Paderborn gefahren ist. Er hat also doch keinen Nachurlaub bekommen. Ihr erwähnt immer in Euren Briefen, ich hätte noch nichts darüber geschrieben, ob ich das Paket erhalten hätte oder nicht. Ich habe mich aber schon in zwei Briefe dafür bedankt. Ich erhielt das Päckchen 3 Tage später, nachdem Ihr es abgeschickt hattet. Es dauerte also nicht länger als die gewöhnliche Briefpost. –

Eben war wieder Fliegeralarm und es wurde wieder eine Stadt hier in der Nähe von 200 Maschinen

angegriffen. Einige Bomben sind 80 m. vom RAD Lager heruntergekommen. Wir haben schwer Glück gehabt. Wir liegen nämlich genau zwischen einem Flugplatz und einer Kaserne (Kriegsschule für Marine). Näheres darf ich darüber nicht schreiben. –

Bei mir auf der Bude herrscht mal wieder eine unheimliche Stimmung. Dauern kommen Nachrichten aus Essen, daß Kameraden von mir total schwerbeschädigt sind und bei einem Kamerad auf der Bude ist der Bruder gefallen auch am Hochzeitstag der Eltern. – Viele haben überhaupt noch keine Post von zu Hause bekommen, ob das Heim noch steht oder nicht. So hat hier jeder seine Sorgen. Trotzdem werden wir als die „sorglose“ Jugend angesehen. Na ich will nicht klagen. Man

schlägt sich durch. –

Man strengt sich auch sowieso an, weil man ja doch ungefähr weiß nach soviel Wochen wird man entlassen. Übrigens habe ich von anderen RAD Lagern gehört, daß alle RAD Männer nach 8 Wochen schon entlassen werden. Vielleicht bin ich also schon in 4 Wochen zu Hause. Eine bessere Masche könnte ich mir garnicht vorstellen. Es kann aber auch noch anders kommen.

Schreibt mir mal bitte, wie oft Ihr schon von mir Post bekommen habt. Kameraden von mir behaupten, daß Post unterwegs weggekommen wäre. Deren Eltern hätten dies auch bestätigt.

Von Euch habe ich bis jetzt 4 Briefe, eine Münchener Leseheftchen und ein Päckchen erhalten.

Ich habe wenigstens 10 mal geschrieben das weiß ich ganz genau. Ich möchte nämlich nur wissen, ob meine und Eure Post ankommt oder nicht. –

Wie geht es Euch noch? Ihr werdet wohl noch feste in der Arbeit stecken. Schade, daß ich nicht zu Hause sein kann sonst hätte ich anständig mit anfassen können.

So langsam werde ich mich mal zum Schlafen fertigmachen.

Also seid herzlich gegrüßt von Eurem

Fritz

Achtet bitte auf meinen Absender:
Im Wehrmachtseinsatz.!!