Fritz Kranz an seine Eltern, 13. November 1944

O. U. den 13.11.44.

Liebe Eltern!

Euren Brief vom 8.11. mit beiliegenden Brief von meinem Freund Klaus Münch habe ich dankend erhalten. Ich kann das nicht verstehen, daß Ihr von mir Post überhaupt keine Post bekommt. Ich habe fast jede Woche zweimal geschrieben. Von Euch erhalte ich die Post regelmäßig. Das Päckchen mit Schmirgel usw. habe ich schon lange erhalten und habe mich in 3 Briefen schon lange dafür bedankt. – Karl ist also wieder nach Paderborn zurückgefahren. Vater fragt an, was auf meinem Absender „Im Wehrmachtseinsatz“ bedeutet. Es soll heißen, daß wir der

Wehrmacht unterstehen, und, wenn hier mal eine Landung starten sollte werden wir sofort einsatzfähig sein. Wir arbeiten also nicht (übrigens schrieb ich Euch das schon alles) am Friesenwall wie es vorgesehen war, sondern wir bekommen hier eine regelrechte Ausbildung. Ich schrieb Euch schon daß ich vielleicht schon in 4 Wochen zu Hause sein könnte, aber auch daß ich vielleicht Weihnachten beim RAD. verbringen muß. Über unsere Entlassung steht also noch nichts Festes in Aussicht. – Als ich die Schrift von Mutter sah, bekam ich zuerst einen Schrecken. Ich dachte sofort daran, ob die schweren Angriffe auf Essen auf Mutters Schrift Einfluß gehabt hätten. Aber ich konnte

es mir garnicht denken. Mutter wird die Zeilen wohl in Eile geschrieben haben.

Jetzt ist Zapfenstreich und es wird für mich Zeit mich mal zum Schlafen fertig zu machen.

Herzliche Grüße

Fritz