Fritz Kranz an seine Eltern, 22. November 1944

O. U. den 22.11.44.

Liebe Eltern!

Gestern schrieb ich einen Brief an Euch, in dem ich Euch mitteilte, daß ich Euer Telegramm betr. Bombenschaden erhalten hätte. Am Abend kam noch mal ein Telegramm welches aber den selben Inhalt hatte. Auch ein Brief war dabei. Heute erhielt ich nun 2 Päckchen auf einmal. Für all diese Sachen danke ich recht herzlich. Über die Zigaretten habe ich mich richtig gefreut. Die von Mutter gebackenen Printen schmecken tadellos. Obgleich ich hier als Ordonanz augenblicklich keinen Hunger leide, schmecken diese leckeren Sachen mal ganz gut. Ich danke also recht herzlich.

Nun zu Euren Briefen. Mutter meint, ich würde denken, die anderen hätten mehr Pakete bekommen, als ich usw. Hierzu möchte ich nur sagen, daß hier genug Kameraden sind, die überhaupt noch keine Post von zu Hause haben, von Paketen ganz zu schweigen. Ich bin vollauf zufrieden, wenn ich Post bekomme. Außerdem könnte ich Euch bald Pakete schicken soviel Verpflegung habe ich hier. Mutter ist

also in der Zwischenzeit krank gewesen. Hoffentlich ist es nicht so schlimm gewesen. Denn bei all der Arbeit kann man eine Krankheit schlecht gebrauchen. –

Von dem Einschreibebrief, nach welchem Gisbert sehr wahrscheinlich in amerikanische Gefangenschaft geraten sein sollte, habe ich noch nichts gesehen. Hoffentlich hat er es dort gut. Wir werden ihn dann nur vorläufig nicht mehr sehen. Dafür werden wir aber das feste Gefühl haben, daß er den Krieg überleben wird. –

Bis jetzt hat sich noch nichts geändert mit dem Entlassungstermin. (4. Dezember). Wenn ich am 6. oder 7. Dezember noch nicht zuhause sein sollte, könnt Ihr die Hoffnung aufgeben, daß ich am 4. entlassen worden bin. Wegen des täglichen Gebets braucht Mutter sich nicht zu sorgen.

Seid also herzlich gegrüßt von Eurem dankbaren Sohn

Fritz