Fritz Kranz an seine Eltern, 29. Januar 1945
O. U. den 29.1.45.
Liebe Eltern!
Endlich komme ich dazu Euch einen Brief zu schreiben. Hoffentlich kommt der Brief auch an. Ich lasse ihn durch einen Kameraden, dem die Füße erfroren sind und deshalb vielleicht zum Ersatzhaufen muß, zuschicken. Mein Absender gilt nicht. Ich habe noch keine Feldpostnummer, sodaß Ihr mir schreiben könnt. – Wo ich liege darf ich nicht schreiben, aber ich kann Euch ja schreiben daß ich östlich von der Stadt bin, in welcher Karl zuletzt in der Kriegsschule war. Wir sind noch auf dem Hinmarsch zu unserem Ziel welches noch einige Kilometer von hier weg ist. Es stehen uns harte Kämpfe bevor. Aber was andere können, daß können wir schon lange. Oder stimmt’s nicht. Wir werden den Russen schon zeigen wie ein Fallschirmjäger „zu Fuß“ zu kämpfen versteht. Habt also keine Sorge um mich. Schade, daß ich Eure Pakete in Halberstadt nicht erhalten haben. Aber Verpflegung haben wir hier auch genug. Die Flüchtlinge sind hier fast alle weg, sodaß deren Häuser uns gehören. Schweine haben wir auch genug hier in der Gegend. Die Leute sollen hier nicht umsonst im Sommer eingemacht haben. Augenblicklich sitze ich einem Polstersessel und schreibe diesen Brief, währenddessen ein Kamerad meine
Lieblingsschlager auf dem Klavier spielt. Geheizt haben wir auch, sodaß ich augenblicklich nicht friere, draußen geht man ohne Bewegung ein. – Na ja wir werden es schon schaffen. – Was macht Karlheinz. Er wird auch wohl mit seinen Kameraden hier zum Einsatz gekommen sein. Vielleicht läuft er mir auch mal über den Weg.
Habt Ihr schon mal wieder Nachricht erhalten über Gisbert. Wie geht es Euch denn noch. Hoffentlich steht unser Haus noch, sodaß ich meinen nächsten Urlaub (den ich doch vorläufig nicht bekomme) noch in Steele verbringen kann. Seid also herzlich gegrüßt von Eurem Fritz.
Übrigens, habt Ihr eigentlich schon die 200 RM. erhalten, die ich von der Flak noch erhalten sollte. Ich habe nämlich nichts mehr davon gehört.