Berta Kranz an Gisbert, 2. August 1938

Essen-Steele, den 2. Aug. 1938. Dienstagmorgen.

Mein lieber Gisbert!

Heute morgen kam deine 7. Karte aus Augsburg an freuen wir uns nur Gutes zu hören. Hoffentlich strengt Euch die furchtbare Hitze nicht zu an. Seid nur gar vorsichtig mit trinken und baden. Auch kaufe Dir etwas Nivea Creme zum einfetten. Karlheinz hat auf der Paddelfahrt zum Stausee starken Sonnenbrand bekommen, sodaß er erst vor Schmerzen kaum schlafen konnte und schält sich jetzt die Haut ganz ab. Da ich annehme, daß du bei der großen Hitze wohl etwas mehr Wäsche gebrauchen kannst schicke ich Dir von allen

gewünschten Sachen ein Stück mehr mit, also in Zahlen 4 Hemden, 3 Paar Strümpfe, 4 Turnhemden u. 3 Turnhosen, 2 Handtücher, 1 Schlafanzug, Taschentücher, eine prima beste Dauerwurst zu 2,05 Mk. Dann als Nebenspende zur Erfrischung noch eine Dose beste Drops und 4 leckere Äpfel. Laßts Euch gut schmecken. Auch das kl. Schloß u. [??]papier liegen bei. Hoffentlich kommt das Paket gut an. Es hat noch Schwierigkeiten, etwas nach Österreich zu schicken. Vater ist jetzt zwecks genauer Erkundigung mal selbst zur Post gegangen. Wie ich gerade mal ausgerechnet habe, habt Ihr in den ersten 7 Tagen 9,81 ausgegeben. Demnach wirst du ja mit dem Geld zurechtgekommen, nur dürft Ihr keine so großen Nebenauslagen machen, damit meine ich vor allem Eintrittsgelder für Besichtigungen. Ich möchte nicht, daß Du auf Kosten der Verpflegung derartige Nebenausgaben machst. Unser Zuschuß zu Deiner Reise galt ausdrücklich der Verpflegung. Nicht, daß Du uns nach der Fahrt hier zusammenklappst. Damit Du auch wirklich ordentlich ißest, lege ich Dir „großzügigerweise“ noch eine Spende von 5 Mark bei. Ihr habt ja schon so viel schönes gesehen u. wenn Ihr nun in’s Hochgebirge kommt, wird’s noch großartiger.

Karlheinz ist nicht gut auf dem Damm u. wissen wir noch nicht, ob wir ihm die Fahrt erlauben. Dieser Tage kam er kreidebleich aus der Kirche, und war es ihm schlecht geworden. Letzte Nacht bekam er jede Stunde Erbrechen und liegt er nun oben auf dem Chaiselongue. Ob ihn die Hitze so angreift oder ob er zuviel gebadet hat, ich weiß es nicht. Ich glaube, er erholt sich schon besser zu Hause, da er nicht so kräftig ist. Wir wollen mal sehen, was die Bauern schreiben u. dann mal überlegen, ob wir Karlheinz fahren lassen.

Günter und Fritz sehen gut aus und genießen mit Freunden die Ferien. Wilhelm S. [alberg] ist mit seiner Mutter in Holland. Günter ist so braun gebrannt und ist er bald schwarz. Gestern besuchte uns Herr Kpl. Theben [??]. Er fragte auch nach Dir. Er kommt dieser Tage mal mit H. Kpl. Emonds zu uns abends. Vater meint auch, daß wir die Jungens doch wieder nach Lüd.[inghausen] schicken. Wir werden es noch mal überlegen. Hier ist es auch nicht so einfach und sind sie ja auch gern in Lüd. Vater hat sich gut erholt u. war es sehr nett in Ems u. bei Tante Nettchen in Bonn. Nun habe ich Dir wohl genug geschrieben. Unsere Karte hast du wohl in [??] inzwischen abgeholt. Seid also wieder vernünftig und strengt Euch nicht zuviel an und bedenkt, daß Ihr euch gleichzeitig erholen sollt. Grüße auch Deinen Freund von uns u. sei Du bes. herzl. gegrüßt u. geküßt

v.D. Mutter

Also Du schickst uns nun Deine schmutzige Wäsche u. alles Überflüssige im Karton zurück. Alles Gute!

Deine Mutter