Berta Kranz an Sohn Gisbert, 8. April 1941

Dienstag Abend, 8.4.41

Mein lieber Gisbert!

Erst heute kam ich dazu, Dir die gewünschten Taschentücher zuzuschicken. Ich legte außer Pfefferminz auch noch prima bayerische Malzbonbons für Deinen Husten bei. Bei diesem kalten Wind stecke dir dann öfter draußen mal ein Bonbon in den Mund. Sie schmecken auch sehr gut und sind nahrhaft. Das war ein schöner Sonntag, nicht wahr, lieber Gisbert, und wenn es nicht möglich wird, daß Du vor dem Ausrücken demnächst noch Heimurlaub erhälst, dann besuchen

wir Dich bald noch mal wieder. Wie hat der Kuchen geschmeckt? Und die Ostereier? Ist der Kuchen aus Rheindahlen noch nicht eingetroffen. Ich erhielt gestern einen Brief von dort und hatten sie Dir den Kuchen schon montags geschickt. Hoffentlich hast Du ihn inzwischen bekommen und hat er noch gut geschmeckt, wenn er auch schon alt war. Morgen wird Fritz in Ferien kommen und wir haben gesagt, alle drei, Fritz, Günter und Karlheinz, dürfen Ostermontag nach Hamm fahren und Dich besuchen. Sie freuen sich sehr darauf und werden Dir außer Ostereier auch

 

 

sonst noch Festschmaus mitbringen. Hoffentlich ist das Wetter gut und kommen sie dann mit dem Zuge, womit wir gekommen sind und sind sie dann schon 10.10 Uhr in Hamm. Sorge aber nur gar, daß sie abends vor 6 Uhr die Straßenbahn zum Bahnhof benutzen. Wir haben es Sonntag noch knapp geschafft und wäre es sehr übel wenn die Jungens den Zug versäumten, da später kaum noch Anschluss ab Dortmund ist und Ostern gewiß die Zuge überfüllt sind. Du freust Dich sicher auch sehr, daß alle kommen und macht Ihr Euch dann zusammen einen feinen Ostertag. Dr. Kampm. hat das Manuskript

zurückgeschickt u. Vater hat es vorsorglich in den Geldschrank gelegt. Ich habe es mal geöffnet und hatte er nichts angekreidet u. nichts dazugeschrieben. Wir haben uns sehr gefreut, lieber Gisbert, Dich Sonntag so zufrieden und wohlgemut zu finden trotz mancherlei Entbehrungen. So ist es recht, lieber Junge, und ich habe es nicht anders von Dir erwartet. Sei Du allen „alles“ ein guter Kamerad. In dieser soldatischen Kameradschaft wirst Du viel Schönes erleben. Vergiß nie ein kurzes, aber kräftiges Gebet. Dir gilt tagtäglich mein ganz besonderes Gebet beim H. Opfer und ich denke im Geiste bist auch Du dabei. Ich hatte dir noch verschiedenes zu schreiben, doch bin ich heute Abend recht abgespannt und habe ich es vergessen. Wir hatten uns mit der Wäsche sehr beeilt und nun beginnen langsam die Vorbereitungen zum Fest. Gott segne Dich mein Junge. Es grüßt und küßt Dich in Liebe d.Mutter.