Berta Kranz an Sohn Gisbert, 28. Oktober 1945

Essen-Steele, d. 28.Okt. 1945

Mein lieber Gisbert!

Nach langer Ungewißheit erhielten wir am 6. Febr. Deine Karte vom 23.9. wo Du uns mitteiltest, daß Du verwundet in engl. Gefangenschaft gerietest. Vor 14 Tagen kam erst Dein Weihnachtsbrief und einige Tage später ein Brief vom 16. April von Dir an u. wir sind glücklich, nun wenigstens mit Dir wieder Verbindung zu bekommen. Hast Du unseren Brief, den wir Dir durch das Informations Bureau in London zukommen ließen erhalten mit der Nachricht über Günthers Tod? Wenn wir doch bald aus letzter Zeit einmal von Dir hören würden was es mit Deiner Verwundung war, ob Du weiterstudierst und wie es Dir geht. Von Karlheinz sind wir seit dem 19. Jan. ohne jede Nachricht. Er war seit Dez. in Bromberg. Fritz kam Dez. zum Militär und nach 14tägiger Ausbildung zum Fallschrimjäger schon in die Front. Er hat in den schweren Kämpfen vor Graudenz gelegenund schrieb zuletzt am 25. Febr. Wo er südlich von Danzig lag. Ob sie noch leben? Die Sorgen um Euch sind quälend. Ferdi Frölich fiel auch noch als Oberltn. Im April. – Gott beschützte uns hier gnädig in allen Nöten uns ist all unser Besitz erhalten geblieben. Außer der Karte von Febr, Brief von Wihn. Und 16. April kam noch keine Post von Dir seit der Gefangennaheme. In inniger Liebe gedenkt Deiner

D. Mutter

Sei wohlgemut u. herzlichst gegrüßt von Deinem Vater