Familie Kranz an Sohn und Bruder Gisbert, 29. November 1942
Essen-Steele d. 29.11.42
Lieber Gisbert!
Heute morgen bekam ich meinen Gestellungsbefehl zum R.A.D. Ich komme nach Reisbach Bahnstation Eiweiler Krs. Saarbrücken. Freitag morgen muß ich mich in Essen um 7 Uhr stellen. Dann geht es mit Kohldampf ab, ich meine mit Volldampf ab. Wenn ich mal Sonntagsurlaub bekommen sollte dann kann ich ganz gut Tante Tonchen in Saarbrücken besuchen. - Meinen Namenstag habe ich ganz gut umbekommen. Für heute Schluß, demnächst aus dem R.A.D. Mehr.
Einen herzlichen Sonntagsgruß
von Deinem Bruder Günter
Lieber Gisbert! Nun kommt Günter auch schon fort und es wird immer stiller hier werden. Ihn brannten die Sohlen längst unter den Füßen und er meinte schon, man habe ihn vergessen. Vorgestern ging er er zum W.B.K. Dort war man der Meinung er habe die Lehre noch nicht aus. Nun bekam er heute schon den Gestellungsbefehl - so rasch. Freitag muß er schon fort. Er strahlt heute nur so vor Freude. - Wir hofften schon, Du würdest heute kommen schade, daß es nicht mehr wurde, ob es wohl noch was wird mit dem Studienurlaub? - Daß Beckers gefallen ist hörte ich schon von Kirchhoff, der zum Seelenamt in Essen war. War er nicht umgesattelt? Ich meine, Du hättest mir davon gesprochen. Traurig, daß der Bruder sein Bein verloren hat. - Nun schließe ich, da wir gleich Günter noch etwas feiern wollen. Nun bin ich gespannt, ob Du dieser Tage kommst. Morgen habe ich große Wäsche.
Alles Gute, lb. Gisbert u. recht herzl. Grüße
Lieber Gisbert! Was sagst Du von unserem „Flieger”? Karlheinz bekam gestern seine Vorladung von der Geheimen Staatspolizei. Anscheinend sind die Jungen der Altenberger Tour aufgefallen.
Wir hatten gehofft, daß Du heute bei uns wärest.
Herzliche Grüße Dein Vater
Herzliche Grüße Fritz.