Günter Kranz an Bruder Gisbert, 16. Dezember 1943
Rutenberg, 16.12.43.
Lieber Gisbert!
Zunächst wünsche ich Dir ein recht frohes Weihnachtsfest. -
Deinen Brief vom 25.11. habe ich erhalten und danke ich bestens dafür. Du bist also jetzt bei den Pionieren. Na viel Vergnügen. -
Von mir ist nichts besonderes zu berichten. Habe meine A + B Prüfung schon gemacht und etliche Platzrunden geflogen. Rechne Anfang Januar nach Prenzlau zur Motorschule zu kommen wenn ich vorher nicht abgelöst werde. Haben sehr viel Unterricht (Navigation, Wetterkunde, Technik usw.) und haben wir von morgens 5 Uhr bis abends 19.00 Uhr Dienst.
21.00 Uhr ist schon Zapfenstreich und macht man bis dahin seine schriftl. Ausarbeitungen. Freizeit haben wir kaum. Sogar Sonntag haben wir Flugdienst wenn schönes Wetter ist. Essen ist große Scheiße. (Zum sterben zuviel zum Leben zu wenig)
Sonntag hatten wir einen netten Kameradschaftsabend und hatten wir sogar eine kl. Kapelle. Klavier, Schlagzeug + Gitarre. Schlagzeug hatte ich gespielt. -
In den nächsten Tagen werden schon die Ersten Leute abgelöst. Das geht hier ziemlich rasch. Wenn man Fliegerisch nicht einwandfrei ist wird man schon abgelöst. In den Unterrichtsfächern
muß man überall gut haben sonst wird man auch abgelöst.
Vorige Tage hatten wir hier einen 80 % Bruch. Wie Dir ja bekannt ist werden wir mit einem Drahtseil mittels einer Winde hochgezogen. Wenn man nun die bestimmte Höhe erreicht hat wird unten mit einer Fahne gewinkt; man muß dann das Drahtseil ausklinken (Ausklinkvorrichtung) Dies hat nun einer vergessen wurde dabei vom Drahtseil runtergezogen und schoß so aus 150-200 m Höhe in einem Winkel von über 90° ab. Das Drahtseil ist von der Winde zu spät gekappt worden. Das Flugzeug ist gegen einen Baum gerast und vollkommen zertrümmert. Der Kerl der drin saß