Johannes Effing an Gisbert Kranz, 2. Mai 1938

Kiel-Holtenau
den 2.5.1938.

Gruß Dir Gisbert.

Dank für Deinen Brief. Dieses ist mein fünfter Brief. Die ganze Nacht habe ich geschrieben. Karte über Karte, Brief auf Brief. Nun ist es ein Uhr. Du wirst in der Schule sitzen. Was machen die Jungen noch, besonders Werner? Ist noch alles in der Ordnung? Ich möchte alle noch mal wiedersehen. Wenn man so in ein ganz anderes Leben gestellt wird, in ganz andere Verhältnisse, dann merkt man, was Gruppe und Brüder einem waren. Alles das, was wir sagten und dachten, fühlten und glaubten, ist nicht umsonst.

Ich glaube nicht, daß ich zur 1000 Jahrfeier nach Steele komme ich denke aber bestimmt in vier Wochen. Die Tage vergehen hier wie Schnee vor der Sonne immer der gleiche Tritt. Was machst Du in den Ferien? Du mußt mich auf dem Laufenden halten über Steele. Schreib mir doch nur einige Zeilen. In der Kirche war ich in der ganzen Zeit noch nicht. Ich hoffe aber, daß wir am Sonntag Urlaub bekommen. Betet für mich. Ich denke auch an Euch

Grüße alle Jungen
Dein Hans