Ferdinand Frölich an Gisbert Kranz, 27. Juni 1939

Altendorf-Ruhr, 27.6.39.

Lieber Gisbert!

Deinen lb. Brief habe ich bekommen. In Köln war es vorigen Sonntag schön. Wir haben uns näher kennengelernt und sind sehr gute Freunde geworden, hoffen auch beide, dass unsere Bekanntschaft mehr ist als eine blosse Freundschaft. Jedoch lässt sich das jetzt noch nicht sagen. Du wirst mit mir beten, dass es so bleibt, wie es jetzt ist, denn ein besseres Mädel kann ich mir wirklich nicht wünschen. Du meinst, ich sollte alles meinen Eltern sagen. Die würden mich niemals verstehen. Dies war jetzt noch bei Tona der Fall, obwohl der 4 Jahre älter ist als ich. Sie geben als Grund an, wir wären eben noch zu jung und hätten uns mit anderen Dingen zu befassen. Eigentlich muss ich ihnen ja, von ihrem Standpunkt aus gesehen, Recht geben. Sie haben Tona gedroht, sein Weiterstudium zu verhindern. Dasselbe würden sie mit mir machen, höchstens noch schlimmer, da ich doch bedeutend jünger bin. Ich muss es also verschieben, bis ich mit meinem Studium fertig bin, also in 2 Jahren. Mein Vater hat eben einen sehr eisernen Willen, dem sich alles beugen muss.

Vielleicht ist es auch gut so, denn wenn er sieht,

dass wir schon mehrere Jahre zusammen sind, wird er einsehen, dass er mir das Mädel doch nicht mehr verbieten kann. Du verstehst mich ja. Erwähne also bitte bei uns zu Hause usw. kein Wort hiervon.

Dass Die Hälfte Deiner Arbeitsdienstzeit vorbei ist, darüber sollst Du Dich wohl freuen. Sonst ist hier noch alles beim Alten. In 3 Monaten muss ich schon nach Hamburg. Dann beginnt das alte schöne Schülerleben wieder. Für Dich ja auch. Kommst Du auch vorher noch in Urlaub? Wir müssen uns doch noch treffen. Denn es ist ja für so gute Freunde wie wir beiden unmöglich, dass sie sich ein halbes Jahr nicht sehen.

Schreibe bald wieder.

Und nun herzliche Grüße, auch von meinen Eltern u. Geschwistern
Dein Freund Ferdi