Werner Vogt an Gisbert Kranz, 23. Juli 1939
Essen, den 23.VII.39.
Lieber Gisbert,
Zunächst Dank für Deinen Brief. Schön, daß Du an mich gedacht hast. Auch die „Aufmunterung” will ich richtig auffassen. Nur so schlimm liegen die Dinge nun doch nicht! Von Einschlafen kann keine Rede sein, im Gegenteil, in der Penne wird (oder wurde, - jetzt sind fast Ferien) uns erst mal richtig beigebracht, was arbeiten heißt. Ich habe manchmal „Nachtschicht” gemacht. Karl-Heinz tut das mit einer Handbewegung ab - aber man kann manchmal wirklich nicht nur um eine Stunde etwas vorgelesen zu bekommen, die Arbeit beiseiteschieben. Versteh mich recht. Es ist schon was faul im Staate Dänemark, aber die Gründe liegen woanders. Nebenbei haben mehrere Klassen von uns längere Fahrten gemacht. ( 8 m, s nach Köln, 7 s, m 12 Tage Thüringen u. Main, 6 mehrere Tage Teutoburger Wald.) Wenn dann mal ein Fähnlein ausfällt, so ist das nicht gleich als „Einschlafen” zu bezeichnen. Aber Schluß mit dem Mist, gerade letzten Donnerstag haben wir gezeigt, daß wir auch noch da sind. In einem stark besuchten Fähnlein erzählte ich über unsere Kulturfahrt. Darüber sollst Du auch etwas hören. Also: die Route war: Essen - Kassel - Eisenach - Erfurt - Weimar, Neuenburg - Jena - Bamberg - Würzburg - Frankfurt - Essen. Alle mit Zug u. per pedes. Fahrtenleiter: Spiecker. Wir erlebten die großen Kulturstätten, (fast zuviel) und gewannen eine Fülle von Eindrücken. Jeder hatte einen Tag im Hausaufsatz wiederzugeben. Mein Fall war Neuenburg. Ich habe meine Aufgabe gut gelöst. Es hat keinen Zweck, auf Einzelheiten einzugehen. Das besser mündlich. Wir fuhren mit einem Schleppkahn von Mainz
bis Duisburg. Umsonst natürlich. Fein, was? Spiecker ist ganz groß auf Fahrt! Ein alter Fahrtenhund. Jetzt probt er mit uns ein Theaterstück (von ihm selbst gedichtet.) fürs Schulfest ein. Ist für alles zu gebrauchen. Und dann kommen die Ferien. Ich weiß noch nicht so recht, was ich unternehmen soll, werde mir das Richtige treffen. Hoffentlich bist du auf Deinem verantwortungsvollen Posten auf Draht. Ich wünsche Dir alles Gute und grüße Dich.
Werner
Vertrau auf Gott
Dich tapfer wehr
darin bestehen
Ruhm und Ehr.
Denn wer auf Gott
herzhaftig wagt
wird nimmer
aus der Welt gejagt!
Gottes Liebe nahm unseren guten Jungen
stud. phil.
Werner Vogt
Obergefreiter in einer B.-Abteilung eines Art.-Reg.
am 15. September 1944 im Alter von 21 ¾ Jahren bei den Kämpfen
im Osten zu sich in die ewige Vollendung. Seine tapfere christliche
Haltung, die er in seinem Leben bewies, ist unser Trost und macht
ihn vielen Freunden und Bekannten recht liebenswert.
In stiller Trauer:
Hermann Vogt und Frau Emilie,
geb. Heimes
Karl-Heinz Vogt
Gefreiter (z. Z. im Felde)
Maria Vogt
Essen (Allbauweg 29), Essen-Steele, Bochum-Riemke, Rheinhausen
und Lippstadt, den 13. November 1944
Das Requiem wird am Montag, dem 20. Nov., 8.15 (10) Uhr in der St. Bonifatius-
Kirche zu Essen-Huttrop gefeiert.