Pfarrer Ladenkemper an Gisbert Kranz, 8. November 1939

Missionshaus St. Joseph                                     Biesdorf, den 8. Nov. 1939.
Biesdorf
über Neuerburg/Kreis Bitburg

Mein lieber Herr Gisbert Kranz!

Sie haben es richtig getroffen, als Sie schrieben, dass ich über den Poststempel staunen würde. Daran hatte ich nicht gedacht und Herr Pater Tries hatte mir nichts von Ihrer Eingabe gesagt. Doch freue ich mich aufrichtig mit Ihnen, dass Sie nun Ihren schönen, aber so oft auf harte Probe gestellten Beruf verwirklichen können. Wie viel haben Sie dafür kämpfen und manchen Spott ertragen müssen. Diese Opfer bleiben sicherlich nicht unbelohnt. Ich hoffe und bete, dass Sie nun ungestört für Ihren herrlichen Beruf leben können.

Ich staune, dass sich noch soviel Jungens für diesen Beruf gemeldet haben. Es wird sicherlich eine muntere Gesellschaft sein, wo es Ihnen besser gefallen wird, als in Biesdorf. Es hat mir wirklich leid getan, als ich erfuhr, dass Sie nicht mehr zu uns kommen konnten. Für mich waren es immer angenehme Stunden, wenn Sie in unserer Mitte waren; auch die die anderen Herren freuten sich über Ihren Mut und Ihre Schlagfertigkeit. Den Dank, den Sie mir abstatteten im Briefe, wollen wir auf den lieben Gott lenken, der alles so wunderbar gefügt hat!

Hier ist jetzt ein sehr reges Leben. Wir haben 900 Soldaten in unserem Kloster und noch 65 Jungens von der Aufbauschule. Dazu kommen die vielen Pferde und Wagen, die im Klosterhof stehen. Auch im Arbeitsdienstlager ist Einquartierung und es stehen auch dort viele Wagen, man hat eben Winterquartiere bezogen. Ob für den ganzen Winter? Wir haben noch drei Räume an das Militär abtreten müssen, so dass wir sehr eingeschränkt sind. Es ist halt Krieg und da müssen wir alle Opfer für unser liebes Vaterland bringen. Möge der liebe Gott uns bald den so sehr erwünschten Frieden bringen.

Herrn Pater Tries und Biermann geht es soweit noch ganz gut. Pater Tries hat sich erkältet, so dass er die letzten Tage nicht viel arbeiten konnte. Beide aber freuen sich mit mir, dass Sie sich in Paderborn auf Ihren späteren Beruf vorbereiten können.

Mit den herzlichsten Grüssen, auch an Herrn Dr. Daniels, verbleibe ich in J.M.J.

Ihr stets erg.
P. Lodenkemper.