Ferdinand Frölich an Gisbert Kranz, 25. April 1940

Hamburg, den 25.4.40.

Lieber Freund!

Über Deinen Brief habe ich mich sehr gefreut. Es ist wirklich wahr, was Du schreibst. Wir sind in der Klasse doch alle anders gesinnte Menschen mit oft sehr verschiedenen Lebensauffassungen. Diskussionen und Streite hierüber kommen oft genug vor, und wenn schliesslich versucht wird, alles durch Kameradschaft zu überbrücken, so bleibt doch immer eine tiefe Kluft zwischen uns.

Gisbert, willst Du mir doch eine Frage beantworten: Vor einiger Zeit kam ein Kamerad zu mir, ein Jugoslave, Katholik. Dieser fragte mich, ob es als Sünde angesehen würde, wenn beim Verkehr mit Mädchen jene Gefühle aufkämen, die ja nur zu natürlich sind. Er vertrat die, wie ich glaube, richtige Auffassung, dass dies doch von Gott gewollt sei und deshalb keine Sünde sein könnte. Wie denkst Du darüber? Schreib es doch bitte.

Sonst geht es mir noch gut. Hier in der Schule geht alles im alten Trab weiter. Dienstag habe ich einen Vortrag gehalten. Es hat ganz gut

geklappt. Ich will gleich mal an Heinz Bach schreiben. Wenn Du seine Adresse haben willst (Du kennst ihn ja von Paderborn): Sdt. H. B. 4. Komp. 7. E. B. 236 Marienwerder (Westpr.).

Und nun viele Grüße
Dein Ferdi.

Ich habe mich in der vorigen Woche auch zur Wehrstammrolle melden müssen. Durch die letzten Ereignisse wird unsere Einberufung ja schneller kommen.

Gruß Ferdi.