Willi Wessendorf an Gisbert Kranz, 17. Juli 1940
Straelen, den 17.7.40.
Gruß Dir, lieber Gisbert!
Hab Dank für Deinen Brief und Karte mit den kraftvollen Aussprüchen. Nun liegen wir schon etliche Wochen hier, tun täglich unsere Arbeit und kommen nicht in Feindesland. Im Gegenteil. Seit drei Tagen werden wir für den Vorbeimarsch am Reichsparteitag in Nürnberg ausgebildet. Ich bin nicht nicht unter den Nürnbergfahrern, da ich die Hoffnung habe, schon am 20. August entlassen zu werden, um pünktlich das Studium beginnen zu können. Hoffentlich klappt's. Aber ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, wo ich studieren soll und wie die Immatrikula-
tion vor sich geht. Eine ungelöste Frage ist für mich auch noch die finanzielle Seite. Aber es wird schon alles werden. -
Vorläufig bekommen wir hier noch Wehrsold und sind froh, daß wir nicht wieder nach Norden gekommen sind, wie wir zuerst sollten. Von hier sind wir schon dreimal Samstags-Sonntags zu Hause gewesen. Auch habe ich hier eine Familie gefunden, zu der ich während des Urlaubs gehen kann. Da verlebe ich dann immer sehr schöne Stunden, schöner jedenfalls als in einer Kneipe bei Bier und Zigaretten.
In den Urlaubstagen nach dem 20. August hoffe ich Dich zu Hause zu treffen. Es grüßt Dich in alter Treue
zu [..] Willi