Werner Vogt an Gisbert Kranz, 16. Oktober 1940

Essen, Huttrop, 16.X.1940.

Lieber Gisbert!

Frohen Gruß zunächst und Dank für Deinen Brief. Du bist ja sehr wißbegierig und deshalb folgt gleich meine Antwort auf Deinen Schrieb. Well - in der Penne wird noch gearbeitet, am meisten natürlich bei uns, (aber sehr interessant), Du mußt aber nicht denken, ich säße nun in jeder freien Minute hinter meinen Büchern. Man hat auch seine Privatinteressen. Der größte Teil meiner Freizeit ist mit Arbeit in der Pfarrjugend ausgefüllt, eine feine Aufgabe. Mit einem anderen Kameraden habe ich vier „religiöse Gruppengemeinschaften” auf die Beine gebracht, Führer „ausgebildet” und Schwung in den Laden gebracht. (In Steele hat man übrigens auch nicht geschlafen - davon erzählt Dir sicher Karl-Heinz, den ich zuletzt bei einer Kundgebung in der Münsterkirche sah.) - Über die Form unseres Abiturs ist noch nichts sicher. Die Hälfte unserer Klasse kommt dran vorbei, für den Rest wird es dann wohl auch nicht zu schwer sein. Samstag steigt bereits die Turnprüfung in Leichtathletik.

Willi Wassendorf studiert augenblicklich in Münster (Philologie), nachdem er seine 3 Monate R.A.D. hinter sich gebracht hatte. Willi Scholten ist aus gesundheitlichen Gründen vom Wehrdienst befreit, er hat eine Sttelle als „Bürokrat” bei der Stadtverwaltung Essen, Abteilung

„Jugendpflege”. Albert Ranke traf ich ausgerechnet heute morgen an der Penne vorm Lehrerzimmer. Er dient bei der „Königin der Waffen”. Leider konnte ich nicht länger mit ihm sprechen. Nando Kämper, mit dem E.K. aufgezeichnet, war bei ihm. Sie waren von verschiedenen Paukern völlig in Beschlag genommen. - Spenrath habe ich bereits von Dir gegrüßt, er dankt und erwidert die Grüße.

Nun noch einige Fragen an Dich, lb. Gisbert.

Du weißt, daß ich stets eine besondere Vorliebe für „Schwarz” gehabt habe. (Du verstehst?!) Wenn das auch noch nicht meinen letzte Entscheidung ist, weil noch manches hinderlich ist, so möchte ich doch „vorbauen”. Schreibe mir doch bitte mal bei Gelegenheit, welchen formellen Weg ich einzuschlagen habe, (was Du zuerst unternommen hast,) wie sich das am besten mit dem Wehrdienst einrichtenn läßt, welche äußeren Voraussetzungen erforderlich sind, (Sprachen - Griechisch?) und was Dir sonst noch ratsam erscheint. Das soll aber zwischen uns bleiben (!), über diese Dinge spricht man nicht gern. Ich wäre Dir für „gute Ratschläge” sehr dankbar.

Nochmals vielen Dank für Deine Freundlichkeit, ich werde Deine Grüße an die übrigen Pauker gern ausführen. (Ich bin dafür, daß wir uns künftig öfters schreiben.) Viel Glück für Dein Philosophikum und frohen Gruß
Dein Werner