Herbert Weise an Gisbert Kranz, März 1941

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Religion, Kunst und Leben bilden eine geschlossene Dreiheit, innerhalb derer jeder Mensch sein Dasein gestaltet. Das Leben ist das Unbegreifliche, Göttliche in der ganzen Natur, aus dem der Mensch sich nach dem Fühlen und Empfinden, mit dem er dem Wunder des Seins gegenübersteht, also der Religion, eine Kultur, deren rein ideeller und seelischer Teil die Kunst ist, und als Dienerin seines Lebens und seiner Kultur eine Zivilisation erschafft. Höchstes Menschentum ist es, mit seinem Leben und seiner Kultur ganz aufzugehen in dem grossen Naturgeschehen, mit ihm gleichzulaufen, in ihm zu schweben mit dem sicheren Gefühl und dem inneren Wissen, das der Glaube schafft, dass der Mensch nicht ein willenlos seinem Gott preisgegebenes Geschöpf, sondern ein notwendiger, mit-lebender und -aufbauender Teil des Weltganzen, ein Teil des göttlichen Lebens, also ein Teil Gottes ist, und dass er sein göttliches Dasein zu erhalten, fortzupflanzen und zu veredeln verpflichtet ist.

Herbert Weise, im März 1941.