Pfarrer Spenrath an Gisbert Kranz, 16. Mai 1941

E.-Steele, 16.5.41.

C.,

Sie werden sich wundern, daß ich Ihren interessanten Brief vom 7.4. ds., für den ich herzlich danke, erst jetzt beantworte. Meine Krankheit, die mich zwang, eine Fast 6 wöchige Kur in Bad Tölz zu machen - leider vergeblich, u. die weitere ärztliche Behandlung zu Hause hielten mich auf. Da ich nicht auf hinreichende Wiederherstellung meiner Gesundheit rechnen kann, habe ich schweren Herzens meine Versetzung in den Ruhestand beantragt. Soweit mein Zustand das zuläßt, werde ich dem geistlichen u. geistigen Leben meine Liebe u. Kraft zuwenden; hoffentlich

geht mir auch der Kontakt mit der Zeit u. der Jugend nicht verloren. - für Ihre jetzigen u. späteren Aufgaben u. Pläne habe ich größtes Interesse, u. ich danke Ihnen herzlich, daß Sie mir manches darüber mitgeteilt haben. Das Urteil von Dr. K. wird Ihnen Anregung geben u. freudiger Ansporn sein, zur gegebener Zeit Ihrer vielversprechenden Dostojewski-Arbeit die letzte Rundung u. Vollendung zu geben. Ich freue mich, daß Sie ihre Militärzeit jugendfrisch mitmachen: auch diese Zeit wird Ihnen wertvolle innere Bereicherung u. Erfahrung bringen.

Ich wünsche Ihnen zu allem Gottes Segen
u. verbleibe mit besten Grüßen
Ihr H. Spenrath.