Peter Paas an Gisbert Kranz, 20. August 1941
Im Felde, den 22. Aug. 41.
Gott zum Gruß, mein lieber Gisbert!
Über Deine lieben Eltern muß ich Dich suchen, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren. Wo Du auch stecken magst, als Ausbilder in irgendeiner Kaserne oder als Schütze an der Front, wir stehen zusammen mit der großen Zahl unserer Brüder mitten im Ringen dieser Zeit. Weltgeschichte tut sich um uns. Unser Beruf ist, Kämpfer zu sein. Waren wir früher Streiter für Christus, so wagen wir jetzt noch unser Leben für das Vaterland. Es hat uns vom Westen Frankreichs gerufen zu seinen Ostgrenzen. Hier haben wir Entspannung von all den in uns aufgespeicherten Kräften gesucht und gefunden. Unsere Maschinen waren dem Feind immer auf den Fersen. Vor Lettlands Hauptstadt haben wir ihn zu erstem Mal gestellt. Unsere Batterie hat sie ihm genommen. Dann ging es weiter, immer hinter ihm her, Estlands Metropole zu erobern, zu befreien. Verbißen und hart, haben wir hier um jedes Stückchen Land, jedes Fleckchen Wald gekämpft. Granate neben Granate schlugen bei uns ein, Panzer griffen unsere Stellung an, Flugzeuge beharkten uns mit Kanonen und Mgs. Wir aber blieben Sieger und Kämpfer
weiter. Das Erleben des Kampfes und der Schlacht hat uns Jungen zu Männern gemacht. Getreu des Eides, den wir einmal geleistet, sind wir bereit und wagen alles.
Dieser Kampf, gilt er nicht auch für Christus, für die Verwirklichung seines Reiches auf Erden? Uns gehört Deutschland nach diesem Krieg, uns muß es hören, wenn wir ihm Christus predigen, seine Liebe, seinen Opfertod. Wir Säer und Künder einer neuen Zeit, eines ewigen Reiches, wir Bürger zweier Welten müßen dann mit unserer Liebe diese Welt gewärmen, anzünden, daß sie brenne für Christus. Heute schon gilt unser Dienst ad gloriam Dei; Ut in omnibus Deus glorificetur!
Außer Klaus ist nun unser ganzes Semester in unsern Reihen. Wann wird es wieder sein, daß wir in Bonn wieder zusammen studieren und uns freuen können? Wir wollen den Herrn bitten, daß alle wieder zurückkommen. Wie schön wird dann alles sein.
Mein lieber Gisbert, wir wollen hoffen und dafür beten.
Für heute aber empfange meine besten Grüße und Wünsche für Dich.
pax Dein Peter.