Werner Vogt an Gisbert Kranz, 26. August 1941
Frankreich, 26. Aug. 41.
Lieber Gisbert!
Eine Stunde nach Mitternacht, als ich gerade zur Wachablösung geweckt wurde, bekam ich auch Deinen Brief. Sehr gefreut hat er mich, daß Du schnell geantwortet hast, sodaß wir die alten Bande unserer Freundschaft sofort wieder enger knüpfen können. Auch bin ich mit Dir froh darüber, daß Du heil aus der „[..]werkstatt” entlassen bist. Mit besonderer Teilnahme hörte ich vom Erstlingsopfer unseres lieben Hans Schake. Ich habe in der Stunde der Nachtwache an ihn denken müssen. Er hat das Ziel erreicht, zu dem auch wir auf dem Marsch sind, der eine näher, der andere noch in der Ferne. Nur wir werden, so der Vater es will, auch einmal ankommen. Gegenwärtig ist es mir nicht leicht gemacht in dieser Beziehung, denn ich lebe in einer ausgesprochen
areligiösen Atmosphäre. Der Dienstplan hat es mir bisher nur einmal erlaubt, am hl. Opfer in der kleinen französischen Dorfkirche teilzunehmen. Sicherlich ist auch dies ein Teil jedes Kreuzes, das auf uns lastet, doch wollen und werden wir es zu Ende tragen.
In meinen spärlich gesäten Stunden der Freizeit pflege ich ein gutes, religiöses Buch zu lesen, wie augenblicklich „Aufstiege zum [..]”, ein Buch, das eine Reihe von sehr guten Lippert-Aufsätzen enthält, die Lösung bringen auf Fragen, die uns alle sehr bewegen. Solche Stunden sind guter Ausgleich für den Dienst; (es ist ständiger Wachdienst). Lieber Gisbert, für diesmal schließe ich mit Dank für Deinen Brief und den besten Wünschen für Dein Wohlergehen und Deine Zukunft.
Gruß und Heil
Werner