August Böhmer an Gisbert Kranz, 13. Oktober 1941

Essen Steele 13.X.41.
Büssemstr. 18

Lieber Gisbert!

Durch Deine liebe Mutter erfuhr ich Deine FPNr. Drum möchte ich sofort Dir einen Heimatgruß senden. Die Postverbindung ist begreiflich nicht so lückenlos. Von Dr. Maßen hörte ich in Ihrer Sache noch nichts Neues. Dr. M wird auch sein Krabbeln haben. Von Deinen Eltern erfuhren wir eine freundliche Behandlung. Sie halten meiner Frau in ihrer Hausfrauensorge. Sie überließen m Frau, die nicht viel Zeit für ihre Besorgungen hat, Kaffeeporzellan als Weihnachtsgabe für die Hausgehilfin. Recht schön und praktisch. Dazu kommt als Wesentliches, daß meine Frau, die doch in Steele fremd ist, in Ihrem Elternhause freundliche und wohlwollende Menschen fand. Das tat ihr gut und sie gewann Vertrauen zu den echten Leuten in der Hermanns [..]. Der Weg dorthin ist geebnet. Gestern hatte ich einen Feiertag. Ein Bekannter wußte um meinen Wunsch, am Sonntagsgottesdienst teilzunehmen. Sofort brachte der es zur Verwirklichung. Ein Autounternehmen wollte wohl den Kranken zur Kapelle in der Sachsenstraße fahren und fort hatte man mir einen Sessel bereitgestellt. Zu ebener Erde kam ich in die Kirche. Der Husten quälte während der hl. Handlung nicht und im Sonnenschein ging die Fahrt zurück. Auf dem Frühstückstisch erwartete mich ein Brief von Joh. Kirschweng, der mir eines seiner Bücher versprach. Der Abend brachte Gesang und Verteilung um einen leuchtenden Paradiesapfel im Anschluß an die Betrachtung eines kleinen Ölbildes „Blühender Baum”. In dem abschließenden Nachtgebet der Kleinen in der Familie waren auch Sie, lieber Gisbert eingeschlossen.

Behüt Sie Gott, mein Lieber, Ihr August Böhmer, Frau u. Kinder.