Ernst Reckers an Gisbert Kranz, 4. Februar 1942
Erzbischöfliches Theologenkonvikt Bonn, 4. Februar 1942.
Collegium Leoninum Endenicher Str. 13
Mein lieber Gisbert Kranz!
Vielen Dank für Ihre Grüsse aus Neu-Ruppin. Ich hatte schon davon läuten hören, ich meine von Herr Pfarrrektor Dresen, dass Sie an der Front sich eine ziemliche Erfrierung geholt haben. Sie schreiben vom 3. Grad. Da ist wohl als sicher anzunehmen, dass Sie auch operiert worden sind. Darüber schreiben Sie mir gelegentlich einmal etwas Näheres.
Sie fragen nach Anschriften von Eugen Freidhof und Joseph Breuer. Freidhof liegt meines Wissens immer noch in Lingen:
Ula 16 Lingen - Ems, Walter Flex Kaserne.
Ihr Freund Joseph Breuer ist vom gleichen Übel befallen wie Sie. Er liegt zur Zeit in Brünn LW Lazarett Abt. 2. Er ist, wie er schreibt, von Rostow mit mancherlei Transportmitteln zurückgeschafft, dann im Flugzeug nach Bukarest und endlich im Lazarettzug nach Wien gekommen und von da nach Brünn. Vom linken Fuss wurde die grosse Zehe ganz, die beiden nächsten Zehen halb amputiert. Er rechnet mit einer langen Lazarettdauer.
Sie Beide haben nun seit dem 10.3. v. J. immer zusammengelegen und alle Schicksale geteilt, und nun erstreckt sich diese Gemeinsamkeit auch auf die erfrorenen Füsse.
Für Ihre Grüsse dankt das ganze Haus. Wir denken hier fleissig an unsere Brüder da draussen und besonders an die in den Lazaretten. Vielleicht habe Sie heute schon ganz persönlich erfahren, dass Krankenzeiten auch besondere Gnadenzeiten sein können.
Seien Sie herzlichst gegrüsst von
Ihrem Dr. Reckers.
NS. Meinen Weihnachtsbrief werden Sie wohl erhalten haben, wenn nicht so wird derselbe Ihnen wohl nachgesandt werden. Auf jeden Fall füge ich hier nochmals ein Bildchen bei.
1 Bildchen.