Pfarrer Spenrath an Gisbert Kranz, 13. Februar 1942

Essen-Steele, 13.2.42.

Für Ihren Brief danke ich Ihnen herzlich. Jetzt weiß ich wenigstens genau, wie es um Sie steht und was Sie mitgemacht haben. Ich freue mich, daß Sie bei allem Schweren, das Sie haben ertragen müssen, doch noch einigermaßen heiß davongekommen sind und an Heimaturlaub denken können. Gott sei Dank!!!

Die Schilderung Ihrer Erlebnisse und Ihrer seelischen Stimmung in Rußland hat mir wieder gezeigt, wie gewaltig und furchtbar der Krieg und alles, was in seinem Gefolge ist, die Menschheit mitnimmt und wie tief und nachhaltig große selbstgemachte Erfahrungen die innerste Seele bedrängen und - bei strebenden Menschen - auch befruchten. So wird unter Tränen und Schmerzen vielleicht doch eine Saat gesät, die bei manchen einmal fruchtbar aufgehen wird, - anders allerdings, als man anfangs wohl gedacht hat. Auch hier hat der religiöse Mensch Unsagbares und Unerreichbares vor anderen voraus; wenn er auch vieles nicht begreifen kann, aus der übernatürlichen Schau kommen ihm manche Zusammenhänge zu Bewußtsein, die dem bloß natürlich denkenden Menschen verborgen bleiben müssen. Darüber werden wir uns, s. G. w., auch mal unterhalten können, wenn Sie einmal hier sind. Vorläufig werden Ihre Gedanken ja mehr auf etwas anderes gerichtet sein: auf das Wiedersehen Ihrer Lieben in der Heimat. Ihre Angehörigen werden sicherlich aufgeatmet haben, als sie die erste Nachricht aus Deutschland von Ihnen erhielten. - So möchte ich Ihnen zum Schluß die besten Wünsche für eine weitere Genesung und für eine baldige frohe Heimfahrt ausdrücken.

Ich gedenke Ihrer beim hl. Opfer und bleibe
mit freundl. Grüßen
Ihr H. Spenrath.