Peter Paas an Gisbert Kranz, 4. März 1942

Rußland, den 4. März 1942

Mein lieber Gisbert!

Gruß Dir und Heil und frohe Tage nach langem, harten Kampf wünsche ich Dir von Herzen.

Die Tage gehen dahin, reihen sich einander an. So werden aus Tagen Wochen, Monate, Jahre. Und trotzdem hat jeder Tag sein Gesicht, das er mehr oder weniger eindrucksvoll in unser Leben einprägt. Nach der Zahl und nach der Größe dieser Eindrücke berechnen wir unsere Erfahrung, unser Erleben. - Wir haben viel erlebt in den letzten Tagen und Wochen. Vieles ist an uns herangetreten, an das wir früher nie gedacht haben. Du hast nun vorläufig Ruhe von all diesem Ungestümen und Harten, hast endlich einmal wieder weiße Betten um Dich, siehst deutsche Menschen und hörst heimatliche Laute. Was das all bedeutet, habe ich selbst erfahren. Wir sind in den Tagen des Kampfes hart geworden, aber darin, in der Liebe zur Heimat, zu unserem Deutschland sind wir Kind geblieben. Wie gern hängen wir uns an die Schürze der Mutter. Wie freuen wir uns, wenn wir eine deutsche Stadt, deine deutsche Landschaft sehen. - Gerd erzählte mir, als wir während der gemeinsamen Urlaubszeit für einige Tage zusammen waren, daß ihm, als er auf seiner Fahrt vom Osten zum Westen

Paderborn passierte, die Tränen gekommen sei, als er den hohen Dom, das Marienstift und das Leokonvikt gesehen habe. Wie oft haben wir damals auf der Brücke gestanden und den durchfahrenden Transportzügen nachgeschaut. Damals lag uns noch alles Soldatische so fern. Mir würde es nicht anders gehen, wenn ich den selben Weg zu machen hätte wie Gerd. Wie stark hängen wir an alten, trauten Erinnerungen. -

Während ich Dir dieses schreibe, rüstet sich in der Heimat manche Pfarrgemeinde, um eine Primiz zu feiern. Wie gern würden wir auch dabei sein. Wann werden wir mal an den Tag denken können? Wird das neue Deutschland noch Platz für seine Priester haben? Wir müssen auf alles gefaßt sein. Christliche Freude und jugendlichen Optimismus werden wir nicht einbüßen. Sie werden immer unsere Stütze und Hilfe sein.

So grüße ich Dich, mein lieber Gisbert, wünsche Dir von ganzem Herzen neben körperlicher Ruhe und Erholung den Frieden des Geistes in Christus, unserm Meister!

pax Dein Peter.

Ich lege Dir noch den Brief bei, den ich nach Lemberg schickte. Den Adventsgruß, der ebenfalls an mich zurückkam, habe ich bereits mit meiner übrigen Post nach Hause geschickt.