Josef Breuer an Gisbert Kranz, 7. April 1942
Brünn, 7. April
Lieber Gisbert!
Ich danke Dir für Deinen Namenstagsglückwunsch, wenn auch in der Oktav. Dafür kann ich Dir nur noch in der Oktav ein gnadenreiches Osterfest wünschen. Hast Du zu Ostern auch nichts aus Bonn gehört? Hoffentlich konntest Du wenigstens ausgehen. Ich habe mich in diesen Tagen wenigstens reichlich herumgetrieben. Hier merkt man leider kaum etwas von neuer seelsorglicher Tätigkeit. Zwar war ich in einem Hochamt mit Orchester und gutem aber kaum hörbarem Chor. Das Volk aber hat gar keinen Teil an der Gestaltung des Gottesdienstes. Ja, ein Prediger stellte den neuen Geist im Rheinland als Vorbild hin.
Ich gratuliere Dir zum Eisernen Kreuz. Aber
daß Benwitz dich nicht einmal zum Gefr. machte, ist wirklich ein schlechter Witz. Er hat also seinen alten Groll längst noch nicht vergessen. Ich habe überhaupt noch nichts von der Kompanie gehört. Bernd und Fenger und Uffz. Thißen sind schon in Danzig. Mit mir wird's wohl noch einen Monat dauern, weil bei einer Zehe immer noch Knochensplitter heraus müssen. Klaus Lachmund, der ja einen schweren Oberschenkelschuß hatte, sodaß er ihm amputiert worden wäre, wenn er sich nicht gesträubt hätte, läuft nun schon auf eigenen, wenn auch noch vergipsten Beinen, in Metz herum. Übrigens bitte ich um Deine Heimatadresse. Einen kräftigen Gruß von Deinem
Jupp.