Johannes Kiel an Gisbert Kranz, 26. April 1942
Bonn den 26. April 1942.
Lieber Herr Kranz,
Einige Trost- u. Genesungsworte wollte ich Ihnen in Ihre Lazarett-Einsamkeit bringen. Ihr Brief vom 16/IV. öffnete mein Auge für all Ihre Sorgen: leibliche und seelische. Das Eczem an Ihrem Fusse wird erst in der Heilung begriffen sein, sodaß Sie doch wenigstens mal aufstehen u. die selige Hoffnung haben, Pfingsten in der Heimat sein zu können. Daß Sie in Ihrem Lazarett noch keinen Geistlichen gesehen haben u. nun schon so lange die Gnaden der Kirche entbehren müssen, tut mir [...]; zugleich ist es mir unbegreiflich, daß sich dort kein Priester sehen läßt, wenn es auch Diaspora ist. Wie ich Ihnen vielleicht schon gesagt habe: nehmen sie doch täglich, jedenfalls am Sonntag, den Schott oder die
die hl. Schrift zur Hand. Oder sollte keiner von Beiden Ihnen zugänglich sein? Das wäre noch schmerzlicher! Schreiben Sie mir drüber! Sie fragen nach den Verhältnissen im Leoninum; in der verflossenen Woche hat das Semester mit 14 Theologen begonnen; unter ihnen 2 erste Semester. Insgesammt haben sich in diesem Jahre noch 15 Abiturienten fürs Studium der Theologie gemeldet. Soeben höre ich auch, daß der neue Erzbischof von Köln ernannt sei; man spricht von [..] oder Frings; ob es stimmt, - wird erst die nahe Zukunft lehren. Ihre frd. Annahme, daß ich mich erst noch einer guten Gesundheit erfreue, ist oder war leider nicht der Fall; ich habe fast den ganzen März im Krankenhause gelegen an Lungenentzündung; jetzt geht's langsam besser; der Frühling komm ja.
Ihnen, lieber Herr Kranz, wünsche ich nochmals gute Besserung, alles Gute für Leib, Seele. Bleiben wir im Gebete miteinander verbunden.
Mit frd. Grüßen stets
Ihr Kiel