Josef Breuer an Gisbert Kranz, 26. Juni 1942
Bonn, 26.6.1942.
Lieber Gisbert!
Deine Karte, für die ich Dir danke, zeigt mir der Ansicht vom Langen Markt Danzig von einer sehr schönen Seite. Und wenn ich es mir recht überlege, dann ist Danzig doch wirklich eigentlich eine schönere Garnison als Hamm oder Rheine - nur, es ist eben inn Ostelbien. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, daß man dort manchen Tag schöner verbringen kann als in den Kinos in den kleinen westfälischen Städten. Du scheinst jedenfalls schon den richtigen Dreh heraus zu haben, wenn Du von Ostseebad u. Theater schreibst. Ferner wüßte ich gerne, was Du als g.v.K. überhaupt für einen Dienst machst, und wie lange Du g.v.K. bist?
Obltn. Benwitz hat mir sogar selbst geantwortet, daß er verwundet war, daß die Kompanie schwere Verluste hatte, und daß er beim Regimentsstab ist. Dabei machte er mich auch darauf aufmerksam, daß ich seit einem halben Jahr Gefr. u. „Inhaber des EK II” bin; was ich daraufhin gleich dem I EB 12 D eindringlich vorgehalten habe. Nun bin ich auf die Reaktion gespannt.
Bei dem tollen Angriff auf Köln hat Bonn nur ein paar verlorene Bomben mitgekriegt. Aber Köln sieht ungefähr aus wie Dnjepropetrowsk, und das alles in 2-3 Stunden!
Vorigen Sonntag haben wir dann insgesamt aktiv bei der Bischofsweihe mitgewirkt. Im Dom war stellenweise ein im vollen Wortsinn lebensgefährliches
Gedränge. Unser neuer Erzbischof machte einen tadellosen Eindruck. Uns hätte man zum Nuntius repräsentativen Mitkonsekratoren nehmen sollen als die beiden Kölner Weihbischöfe. Beim Verlassen des Domes nach der vierstündigen Feier kam es sogar zu einer Kundgebung mit Heilrufen für den neuen Erzbischof von wohl mehr als 20 000 Menschen, die den Domplatz füllten.
Ansonsten ist wenig Neues zu vermelden; höchstens könnte man das boshaft kalte Wetter der letzten Wochen erwähnen, das uns manchen schönen - (in potentia natürlich) - Tag versaut hat.
Ich habe heute zum fünften und hoffentlich endgültig letzten Male auf dem Operationstisch gelegen zur Vornahme einer kleinen Verbesserung an den Zehen. Wenn ich ja nicht den schönen Studienurlaub hätte, würde ich im Lazarett bleiben; so humpele ich eben so gut es geht umher; allerdings in der Hoffnung, daß ich ab nächste Woche einigermaßen anständig gehen kann.
A propos Lazarett: Das Res.-Laz. Leoninum ist aufgelöst; unser schöner Bau steht vorläufig leer. Bis zur neuen Verwendung ist das ja auch für uns etwas spannend, ob wir nun - oder nicht.
Grüße Jupp Fenger von mir; (wie kommt dieser Bursche zu welchem Unfug?) Bernd ist, wie mir seine Eltern schrieben, wieder bei unserer alten Kompanie mit der bewährten Feldpostnummer 20413 B.
Mach's gut und laß Dich innigst grüßen von Deinem
Jupp