Werner Vogt an Gisbert Kranz, 26. Januar 1943
Russland, 26.1.43.
Lieber Gisbert!
Für Deinen kurzen, aber herzlichen Brief vom 15.I. mit der Dürerkunstkarte hab vielen Dank! In Deiner Arbeit zur Vorbereitung auf Deinen hohen Beruf wünsche ich Dir Freude und Erfolg. Wir wollen doch hoffen, dass bis zu Deiner Rückkehr zur Fronttruppe die gegenwärtigen Schwierigkeiten hier im Osten erfolgreich überstanden sind. Die Lage der Truppe, der ich unmittelbar angehöre, hat sich allerdings noch in keiner Weise verändert, und wir können mit der zufrieden sein. Auch die Temperaturen sind noch mässig zu nennen im Vergleich zum letzten Winter; sie schwanken z. Zt. um 30 Grad. - Ein Weihnachten mit hl. Opfer konnte ich nicht feiern; wir sind nämlich gegenwärtig einer SS-Division unterstellt (ohne Feldgeistlichen.) Eine Stunde der tiefen Besinnung fand sich aber dennoch, und ich bin auch glücklich gewesen in dem Bewusstsein, dass Gott gerade denen besonders nahe ist, die fern der Heimat ihre Pflicht tun. Die Silvesternacht war sehr eindrucksvoll als die letzten Sekunden des alten Jahres verrannen, standen über der ganzen Front bunte Lichtkugeln, die Flak schoss mit ihrer Leuchtspur
eine Perlenkette an den Himmel. Unsere Gedanken waren bei lieben Menschen und wurden ein Gebet für sie und auch für uns, dass wir das Neue Jahr tapfer bestehen. Inzwischen hat es uns schon die ersten Härten gebracht, und wir wissen noch nicht, wie es ausgeht. Wenn uns und unserm Volk nur die Kraft nicht fehlt. Wir wollen das Vertrauen haben.
Lieber Gisbert, nochmals alles Gute und frohen Freundesgruss von Deinem
Werner