Ulli Scharf an Gisbert Kranz, 3. Oktober 1943
[..], 3.10.43
Lieber Gisbert! Salve Corporale!
Fast bin ich in Versuchung gekommen, nach bewährter Weise das Datum zurückzuverlegen, u. somit die Schuld der Post zu geben. Aber: „ehrlich währt am längsten” beziehe Du nun bitte auf die inzwischen verflossene u. durch nichts entschuldbare Zeitspanne, die ich bis zu diesem heroischen Aufraffen habe verstreichen lassen. - Herzlichen Dank zunächst für Deine freundlichen u. häufigen Lebenszeichen, mit denen Du mich bedacht hast. Du siehst, drei haben genügt, mich zu einer Antwort zu veranlassen! Wenn Du aber einen ausführlichen Bericht von mir erwarten solltest, so muß ich Dich enttäuschen: Dazu bin geistig, seelisch u. körperlich nicht in der Lage. Zügele also Deinen Wissensdurst solange, bis ich Dir dann
mündlich berichten kann. Nur soviel: uns allen hier geht's nicht schlecht, wir haben eine sehr ruhige Inspektion erwischt, wir haben heute die Hälfte rum, wir hegen alle eine stille Hoffnung u. wir freuen uns im Übrigen alle auf Danzig!
So, lieber Gisbert, als Zeichen meines zwar willigen Geistes, aber, ach, so schwachen Fleisches nimm also diese bescheidenen u. schlecht geschmierten Zeilen entgegen, u. bewahre weiterhin Dein gütiges Wohlwollen für Deinen alten
Ulli -
Herzliche Grüße an Alfred!!! (Wie geht's dem Altmeister u. Ehrenkorporal?) Grüß auch sonstige Bekannte u. Kameraden, grüß ferner bitte Lt. Erdmann, dem ich für seine freundliche Zeilen solange, bis ich selbst schreibe, auf diesem Wege danken lasse! Grüß schließlich u. endlich die Knaben der Inspektion Heister, insonderheit die 4. Gruppe!