Willi Krause an Gisbert Kranz, 12. Oktober 1943

Aachen, 12. Okt. 1943.

Lieber Gisbert!

Ich war baß erstaunt, als ich Deinen Brief erhielt. Gefreut habe ich mich, daß Du es geschafft hast, K.O.B. zu werden. Daß Du darauf brennst, Deine Frontbewährung in Italien zu machen, kann ich mir denken. Wer ginge da nicht gerne hin, wenigstens lieber als zum Osten? Ob gern oder nicht gern, wenn nur endlich der Krieg ad acta gelegt würde.

Du willst wissen, wie es mir nach dem Studienurlaub gegangen hat. Na, erst habe ich geguckt, und dann angefangen. Einige Tage hatte ich eine Gruppe; dann bekam ich einen Zug. Doch zum Feldwebel hat's nicht gelangt. Unser Chef ist nämlich nicht für Beförderungen zu haben. Jetzt ist auch keine Möglichkeit mehr, da unsere Stellen mehr als besetzt sind. Im Sommer wollte der Kommandeur mich zum Lt. befördern. Er hat um die Genehmigung zum Gen. Kdo. geschrieben. Dann erst erfuhr ich davon. Die Antwort kannst Du Dir ja denken. So laufe ich weiterhin als steinalter Korporal durch die Kaserne und bändige Rekruten. Von Mitte August bis Ende September hatte ich ein Kommando nach Elsenborn, dem mehr gehaßten als geliebten Übungsplatz in der Eifel. Das war ganz schön. Fünf meiner Re-

kruten hatte ich als Lehrbedienung mit. Den Dienst machte ich selbst. Es war für mich und die Landser eine feine Zeit. Im Sommer habe ich mir dann - wie Du Dir auch - 16 Tage Urlaub gegönnt. Das wäre so alles.

Zu Deiner Beförderung herzlichen Glückwunsch. Alles Gute für die Zukunft.

In Treue grüßt Dich
Dein Willi

Uffz. W. Krause
4/328 Aachen,
Gelbe Kaserne