Willi Krause an Gisbert Kranz, 30. November 1943
Aachen, 30.XI.43.
Lieber Gisbert!
Du scheinst ja die Abwechslung gern zu haben, wenn Du von einer Einheit zur anderen läufst. Wie konntest Du nur der Königin der Waffen untreu werden? Traurig bist Du doch sicher nicht über diese Deine Untreue oder doch? Und Glück hast Du obendrein auch noch gehabt, daß Du Deine Fronterfahrung in Frankreich machen konntest. Wie hast Du es übrigens angefangen, daß Du R.O.B. geworden bist?
Ich war jetzt 14 Tage in Abstellungsurlaub. Die Zeit war aber viel zu kurz. Um mich richtig zu erholen, habe ich Monate nötig. Stelle Dir nur vor, daß ich im letzten Teil des Sommers 25 Pfund abgenommen habe und noch volle 110 Pfd. wiege! Augenblicklich bin ich nicht ganz auf der Höhe und feiere krank. Ich laufe von einem Arzt zum anderen und keiner kann
etwas feststellen. Einige sind sie sich insoweit als sie eine Nervenkrankheit vermuten. Zum guten Schluß muß ich nun in diesen Tagen zum Nervenarzt.
Von unseren Konsemestern schreibt nur Fritz Coquelin. Er steckt in Dänemark. Er und seine Eltern haben alles verloren. Daß Alfred Deuter gefallen ist, wirst Du ja schon wissen. Von den anderen weiß ich nichts.
Aachen ist bei dem Angriff ziemlich mitgenommen worden. Dom und Rathaus stehen aber noch. Der Dom ist ganz leicht beschädigt worden. Ins Rathaus ist ein Loch in die Vorderseite gerissen worden und die Türme sind abgebrannt.
Für dieses Mal frohe Grüße,
Dein Willi.