Ferdinand Frölich an Gisbert Kranz, 6. Dezember 1943
am 6. Dez. 1943
Lieber Freund!
Nach den schönen Urlaubstagen ist es mir wirklich nicht leicht gefallen, mich wieder an den Alltag der Front zu gewöhnen. Aber das Einsehen, das es so sein muss, hilft auch das überwinden. Und jetzt stecke ich wieder mitten im Erleben.
Zuerst wurde hier, da wir in den ersten Tagen noch in Ruhe lagen, meine Verlobung nachgefeiert, gleichzeitig mit zwei weiteren [..] aus der Abteilung, die auch diesen Schritt im Urlaub getan hatten. Na, über den Erfolg dieser Feierlichkeit brauche ich
Dir wohl nichts zu berichten. Wären wir nicht in Einsatz gekommen, so wären wohl mehrere Tage daraus geworden.
In den letzten zwei Tagen wurde der Russe bei uns wieder sehr lebhaft, wie gewiss der Wehrmachtsbericht auch sagen wird. Eine ganze Menge Panzer haben unsere Leute in die Luft gejagt. Nu, das machte Spass und die Iwans haben sich verdammt blutige Köpfe geholt. So muss es sein.
Wo wirst Du jetzt stecken, Gisbert? Wenn es dort sein wird, wie Deine Eltern vermuteten, ist es ja günstig, wenn es vielleicht auch nicht in Deinem Sinne liegen wird.
Ich bin mal gespannt, was die
drei Kriegsverbrecher aus England, USA. und Russland in Teheran zu besprechen hatten. Na, den wird der Boden, auf dem sie sitzen, auch langsam zu heiss werden. Das walte Gott! -
Leni hat es so furchtbar leid getan, dass sie Dich damals nicht angetroffen hat. Sie würde sich freuen, wenn Du ihr mal einige Zeilen schreiben würdest. Willst Du mal, ja? Ihre Adresse ist: L. Bussmann, Bolkenburg, Kr. Welun, Wartheland.
Ich bin wieder gezwungen, diesen Brief nach Steele zu Deinen Eltern zu schicken, denn mein Freund ist ein ewiger Wanderer und immer noch nicht sesshaft geworden. Oder doch inzwischen?