Hans Schulz an Gisbert Kranz, 13. März 1944

Hans Schulz, Jurist und Syndikus aus Dresden. 08 geb. 43 Uffz. und O.A. in Danzig. Dann nach Frankreich. In Rußland schwer verwundet.

 

Bad Gottleuba, 13.III.44.

Mein lieber Gisbert!

Gerade in den letzten Tagen habe ich im Bedürfnis nach wertvollerer Unterhaltung oft an Dich denken müssen. Nun kommt tatsächlich ein Brief von Dir. Du bist der Erste der alten Crew, von dem ich seit meiner Verwundung wieder höre. Daß Du das Glück gehabt hast, Rußland vermeiden zu können, freut mich ganz besonders. Mir ist es dort dreckig ergangen. Der Iwan hat uns vom ersten Tage - wir waren bei Witebsk eingesetzt - derart eingedeckt, daß selbst die ältesten Ostkämpfer meinten, so etwas noch nicht erlebt zu haben. Ich erhielt am 2. Weihnachtsfeiertag einen Granatsplitter ins linke Bein, hatte das Riesenglück vor dem Verbluten einen Hauptverbandplatz zu erreichen und von dort nach Amputation des Beines einschließlich Knie nach der Bahn gebracht zu werden, bevor der Iwan uns schnappte. Mein Fronterleben war also kurz aber schmerzvoll. Die folgende Zeit war ausgefüllt mit Schmerzen, schlaflosen Nächten, Transporten aber auch netten Stunden voller Lachen und Humor. Augenblicklich muß ich mich von einem Reinfall erholen.

Ich hatte mich nach Dresden verlegen lassen, der Familie, der Theater und Konzerte wegen, aber in Dresden wurde ich nicht aufgenommen sondern hierher befördert, etwa 20 km von Dresden entfernt, im Gebirge gelegen, an sich sehr schön, aber völlig abgelegen. Verpflegung ist gut, sonst ist alles, was einem Verwundeten angenehm sein könnte, verboten. Ich muß jetzt wieder im Bett liegen und sehe einer Nachamputation entgegen. Bevor ich ganz geheilt sein werde, können viele Monate vergehen. Trotzdem, nach allem was ich erfahren habe, glaube ich noch billig weggekommen zu sein. Mit Fritz Weigand stehe ich im Briefwechsel. Er ist auch schon wieder aus dem Osten zurück, bereits wieder bei einer Marschkp. und vielleicht jetzt schon wieder vorn. Von unseren anderen Freunden weiß ich nur, daß Erwin Höppner gefallen sein soll. Ich freue mich darüber, daß Du mir die Anschriften mitgeteilt hast. Alfred Kölzer habe ich bisher vergeblich zu erreichen versucht. Hoffentlich lebt er noch.

Also lieber Gisbert, habe weiter solches Glück wie bisher und schreibe recht bald wieder einmal.

Es grüßt Dich herzlich
Dein Hans