Klaus Malangré an Gisbert Kranz, 6. Mai 1944
Honnef, den 6. Mai 1944.
Mein lieber Gisbert!
ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, denn Dein Brief, für den ich noch danken muß, ist vom 11.II. datiert. Ich bereue u. fasse den festen Vorsatz, so etwas soll nicht wieder vorkommen. Du kannst also nun absolvieren! Aber weißt Du, am 23.II. bin ich Subdiakon geworden. Und vorher gab es viel Arbeit, nachher begannen die Ferien. Da ich aber kein Heim mehr habe, mußte ich ein ruheloses Vagabundenleben führen und komme erst jetzt - wieder in Honnef - dazu, meine Post zu erledigen. Bitte, sei also nicht böse. -
Das Schlimme aber ist, daß Dein letzter Brief auch noch die Kritik meines Sonetts ist. So wirst Du vielleicht glauben, ich habe Dir diese übelgenommen - oder Du wirst mich für undankbar halten, weil ich Deine Mühe so ignoriere. Da kann ich aber nur sagen:
Lieber Christeol, stell' Dir den alten Stropp vor u. Du wirst wissen, daß beide Annahmen falsch sind. Ich habe mir im übrigen Deine Worte eingehend vorgenommen und nur gefunden, daß Du recht hast. Andererseits aber glaube ich, daß ich mich solchen Anforderungen einer wirklich guten Arbeit für unfähig halte. Ich habe es auch nicht wieder versucht. Leider habe ich aber auch die Versuche, Aphorismen zu formen, aufgegeben - was vielleicht nicht gut war. Man kann sehr viel Stil dabei lernen. Dennoch halte ich mein ganzes Schaffen auf diesen Gebieten für zu Stümperhaft, als daß ich ihm weitere Zeit opfern sollte. - Für Dein offenes Wort, vor allem aber auch für die Beschäftigung mit meinem „Produkt” u. für Deine wirklich guten Hinweise danke ich Dir herzlich.
Du hast wirklich eine Begabung und mußt sie pflegen - sonst bekommst Du den Hintern gehauen. -
II
Wie geht es Dir eigentlich? Ich bin ja nun wirklich auf Post von Dir gespannt; wo Du wieder stecken magst! Übrigens, alter Knabe, geht hier das Gerücht, Du seist gekippt. Ich glaub' es aber erst, wenn Du es mir bestätigst. Steckt da eine Frau hinter, oder hast Du Dir Reckers' Weggang vom Leoninum so zu Herzen genommen? Ob aber so, oder so - an unserem Verhältnis wird sich nichts ändern, magst Du Priester oder Schriftsteller werden - wenigsten von meiner Seite aus.
Mir geht es gut. Der Frühling hat unser Honnef u. das Siebengebirge in ein Blütenparadies verwandelt. Wir sind in diesem Sem. zu 17! Unter anderen: Piux, Pascha Boy, Karl Prinz! In Bonn studiert sogar der Flaps, am linken Arm verwundet! - Arbeit gibt es für
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