Johannes Kiel an Gisbert Kranz, 13. Mai 1940

Bonn, 13.5.44

Lieber Herr Kranz,

die Herrn Theologen schweigen infolge des langen Krieges mehr u. mehr; dazu gehören auch Sie. Lassen Sie mich daher Ihnen von hier aus ein Lebenszeichen geben in Form eines herzlichen Grußes, verbunden mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen. Mein Brief geht noch unter der alten F.P.Nr.; Sie bekommen ja auch von der Fakultät von Zeit zu Zeit eine Abhandlung. Schreiben Sie mir doch gelegentlich, wie Ihnen die Aufsätze gefallen. Seit dem 17. April ist das Semester wieder geöffnet u. im Leoninum wohnen 20 Theologen, 10 verwunderte, amputierte etc. kommen noch

kurz nach dem nächsten Sonntage, es tut mir in der Seele weh, wenn ich die Gestalten einherwanken sah. Im Priesterseminar in Honnef sind 17 [..], - ein ähnliches Bild! Weithin wird von der irregularitas ex defectu [..] Dispenz erteilt. Und nun schreiben Sie mir bald einmal, wie es Ihnen geht u. bisher gegangen hat. Daß ich an Ihrem Schicksal lebhaft Anteil nehme, wissen Sie.

Seien Sie mir Gott befohlen u. herzlich von mir gegrüßt.

Stets Ihr
Msgr. Kiel