Ferdinand Frölich an Gisbert Kranz, 22. Mai 1944
am 22.5.44 (Karten Geburtstag)
Lieber Freund!
Zunächst möchte ich Dir, lieber Gisbert, meine Freude über Deinen schönen Erfolg, den Du mit Deinem Buch errungen hast, zum Ausdruck bringen. Wir haben ja schon so lange nicht mehr miteinander klönen können, und der Briefverkehr war - durch meine Schuld - mea culpa! - derart gering gehalten, dass ich all' dieses, was Dich doch bestimmt bewegt hat, nicht mehr wusste. Desto grösser ist meine Freude aber jetzt, weil ich weiss, was das für Dich, Gisbert, bedeutet. Deine Mutter darf mit Recht stolz
sein.
In der vorigen Woche hatte sie mich mit Leni eingeladen. Ich musste kurz vorher den Besuch leider verschieben, da Leni bis Pfingsten Nachurlaub, auf ein Telegramm von mir, bekam und unbedingt nach Papenberg musste. So werde ich morgen Deine Mutter anrufen und in dieser Woche gleich meinen Abschiedsbesuch machen.
Meine Hoffnung, dass ich Dich doch noch hier sehen würde, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Doch glaube ich Ursache genug zu haben, um anzunehmen, dass auch eine Wiedersehensstunde für uns nicht mehr allzu fern liegt.
Zur Zeit bin ich wieder der grösste Optimist, den man sich denken kann.
Ich habe Dir so manches anzuvertrauen, was ich auf Papier nicht stehen haben möchte, besonders in religiöser Hinsicht. Bekomme keinen Schreck, Gisbert, so ist es wiederum nicht. Ich war jetzt öfter bei unserem Vikar, ein junger, talentierter Geistlicher. Doch möchte ich einen haben, dem ich ausser Leni mal richtig mein Herz ausschütten kann. Und das bist nur Du, Gisbert, der Du jetzt nach Heinz Gockels Tod mein einziger Freund bist.
Es ist nicht so, dass ich mit Gewalt an Kleinigkeiten herum-
kritteln will, nein, Gisbert, dazu bin ich vielleicht zu grosszügig. Aber in der letzten Zeit habe ich zuviel Gelegenheit zum Grübeln gehabt, und die Folgen bleiben nicht aus - ich bekämpfe sie auch mit Gewalt, ich bitte mir aber Deine Kampfgemeinschaft dazu aus. Und das kann ich nicht auf Briefen. -
Tona ist seit Sonntag nun zur Ehe gesegnet und er war sehr glücklich. Ich wünsche ihm auch weiterhin in seiner Ehe alles Gute, was ihm ein Bruder wünschen kann. Sie werden bestimmt mit Gottes Hilfe das weitere Leben so in unserem Sinne führen, wie sie es sich vorgenommen haben.
Da Leni Dir auch noch einige Zeilen schreiben will, schliesse ich jetzt.
Sei in Freundschaft gegrüsst! Trotz aller Schreibfaulheit
immer Dein Freund Ferdi.
Lieber Herr Kranz!
Dem Schriftsteller Gisbert Kranz meine größte Hochachtung und herzlichste Anteilnahme an dem großen Erfolg! Wird es nun möglich sein, über den Herder-Verlag ein Buch zu beziehen oder können sonst Sie, lb. Herr Kranz, uns dazu verhelfen?
Da es schon spät ist, möchte ich mit einem gute-Nacht-Gruß schließen.
Ihre Leni Bußmann