Ferdinand Frölich an Gisbert Kranzm 23. Juli 1944
Leutnant Ferdinand Frölich am 23.7.44 (Sonntag)
Mein lieber Freund!
„Es ist nicht wichtig, zu wissen, ob Du wiederkommst. Es ist vielmehr wichtig, zu wissen, dass Du Deine Pflicht tust!”
Das schrieb 1870 die Mutter des Generals Litzmann an ihren Sohn, dem damaligen Leutnant. Ist das nicht ein schönes Wort, wenn es auch hart klingt? Im dem Wort liegt so viel Opferbereitschaft, tiefes Verstehen für die Pflicht ihres Sohnes, des Offiziers.
Ich schreibe dieses Wort gerade jetzt, Gisbert, weil wir vor grossen Entscheidungen stehen. Gerade jetzt wird es darauf ankommen, dass jeder aber auch das Letzte einsetzt, was er für sein Vaterland hingeben kann. Nur dann können wir vor unserem Herrgott hintreten und sagen: Ich habe meine Pflicht bis zum Letzten erfüllt.
Du wirst wahrscheinlich wieder vorm Feind stehen, ich nehme es wenigstens an. Ich beneide Dich darum, Gisbert. Ich muss wohl zunächst noch hier bleiben, und so habe ich mir wenigstens eine Arbeit verschafft, von der ich hoffe, dass sie
nutzbringend ist: ich habe einen Unterf.-Lehrgang. Es bringt zwar wahnsinnig viel Arbeit mit sich, doch befriedigt das einigermaßen. Ein Frontsoldat fühlt sich natürlich nur draussen wohl, oder zu Hause. Mein alter Kamerad Hans Nölkensmeier hat mich auch verlassen und ist wieder in Rumänien vor dem Russen. Wenn er weiter solch ein Pech hat wie bisher - 9 mal verwundet - ist er bald wieder hier. Du weisst ja, mit dem war ich schon Rekrut zusammen. Du und er, Ihr seid meine Freunde, so gegensätzlich wie Ihr seid.
Leni hat zur Zeit Ferien. Schreib Ihr mal nach Godesberg, Plittersdorfer Str. 40.
In alter Freundschaft!
Dein Ferdi.