Leni Bußmann an Familie Kranz, 3. Dezember 1944
Bad Godesberg, d. 3.12.44
Plittersdorferstr. 40
Liebe, verehrte Frau Kranz!
Wie gern wäre ich bei meinem Besuch am Montag in Altendorf auch zu Ihnen gekommen, verehrte Frau Kranz, - die Zeit war zu knapp. Ich habe Ihnen und Ihrer Familie sagen wollen, wie sehr Ferdi und ich mit Ihnen um Ihren Günter trauern und wie sehr wir aber auch glauben, daß Gisbert lebt und einmal wiederkommen wird. Ferdi war zunächst vollkommen verzweifelt über die Nachricht von Gisbert, nachdem wir uns aber darüber ausgesprochen haben, haben wir das feste Vertrauen,
daß Gott einen so edlen Menschen wie Gisbert erhalten wird, damit er nach Beendigung dieses Gottesgerichtes in Gottes Auftrag weiter wirken und schaffen kann.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, verehrte Frau Kranz, wenn Sie einmal die Zeit erübrigen würden und mir etwas über die letzten Nachrichten von Gisbert mitteilen würden. Man kann doch dann hier und da mal hören, vielleicht schreibt er ja auch selbst bald aus der Gefangenschaft. Doch das dauert meist 3 Monate.
Ferdi und ich entbehren nun sehr, wie Sie ja wohl am meisten, verehrte Frau Kranz, Gisberts
lieben, ermunternden Briefe. Aber darauf wollen wir gerne verzichten, wenn Gisbert nur lebt und es ihm entsprechend gut geht. -
Ferdi ist Freitag zur ungar. Front abgefahren. Er war noch sehr krank, wurde aber einfach aus dem Lazarett entlassen, weil er von seinem früheren Chef angefordert wurde. Damit ist nun sein Wunsch, nach einjähriger Pause wieder kämpfen zu können, erfüllt. Hoffentlich schickt ihn Gott mir gesund wieder!
Ihnen, verehrte Frau Kranz und Ihrer Familie nun die herzlichsten Grüße und alles, alles Gute!
Ihre Ihnen sehr ergebene
Leni Bußmann