August Böhmer an Mutter Kranz, 12. August 1945
Essen Steele 12.8.45.
Büssenstr. 18
Verehrte liebe Frau Kranz!
Die freundlichen Grüße, die mir m. l Frau von Ihnen brachte, erwidere ich. Zugleich bekam ich den Bescheid über Ihre Söhne. Da nun das Schwerste des Krieges überstanden ist, müssen wir dankbar zum Himmel schauen, daß das Schlimmste unsere Lieben nicht getroffen hat; dann werden wir das lange Warten auf Heimkehr leichter ertragen. Der allwissende, weise Gott, lenkt alle zum rechten Ziele, auch wenn wir Menschen es nicht so schnell einsehen. Bleiben wir beharrlich in unsern Bitten zum guten Gott; ich bin täglich mit Ihnen in diesem Gedanken vereint. Gisbert steht mir so nahe, als wenn er mir verwandt wäre, weil ich rechte Hochachtung vor dem jungen Freunde habe.
Also bleiben wir stark, liebe Frau Kranz!
M. l. Frau sagte mir auch, daß Sie wegen Fensterscheiben bei Geßmann achtgeben wollen. Sie tun damit wahrhaft ein gutes Werk.
Vielleicht fragen Sie Ihren verehrten Mann auch einmal, ob er auch in diesem Jahr aus altem Bestand noch eine Weihnachtsgabe für meine Frau findet. Ich schreibe dies so früh, weil ich in meinen überlangen müßigen Stunden so viel an das Tun m. guter Frau denken muß, der ich so gar nicht helfen kann. Darum rufe ich die Hilfe guter Menschen an.
Herzlichst grüßt Ihr Studienrat August Böhmer
Kommt meine Kleine zu Ihnen herein, so geben Sie ihr bitte einen Zettel mit.
Gott befohlen!