Johannes Ließem an seine Frau Elsbeth, 18. März 1940

18. März 1940

Liebe Elsbeth!

Recht vielen Dank für Deine 4 ersten Briefe und die Inselbändchen, die ich jetzt an 2 Tagen erhielt. Mit Ostern ist also vorläufig nichts. Aber eine freudige Nachricht habe ich. Meine Tasche mit dem gesamten Inhalt habe ich mir gestern geholt. Es war eine ganze Tagereise. Und stell dir mal vor, wo ich sie geholt habe. In Schalkenmehren. Ich war bei Droste's und von 2 bis 6 Uhr bei Fritz Haupenthal. Es war ein sehr schöner Nachmittag. Wir haben erzählt, Bilder gesehen, Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Dabei ist mir doch so'n richtiger täppischer Fehler unterlaufen. Frau Haupental frug, ob ich am Kaffee nichts merkte. Ich sagte, ja, wir hätten bei uns keine Milch drin. Und dann war sie etwas böse, daß ich die Bohnen nicht herausgeschmeckt habe. Nun wollte ich die Sache wieder gut machen und verhaspelte mich dabei ungefähr so, wie ich früher immer so geschickt unsere Rendevous arrangierte, ungefähr so: ü 8 Eissalon (gesungen). Aber sie hat auch bei Dir noch keinen Bohnenkaffee probiert. Dann hätte sie mich vielleicht verstanden. Aber sonst war es recht nett.

Frau Droste kann übrigens „Kranke heilen“ durch ihre eigenen magnetischen Kräfte. Sie haben 2 nette Kinder. Er selbst ist auch eingezogen.

Als ich zurück kam, erfuhr ich, daß Jakob Künz hier gewesen sei. Es hat mir leid getan, denn ich glaube, daß er zu Fuß (1 ü Stunden) war und es hat den ganzen Tag geregnet, wie es auch heute wieder an einem Stück gießt.

So, liebstes Frauchen, jetzt muß ich Dich mal wieder ganz fest an mich drücken und Dich recht liebhalten. Ich küsse Dich und Dorotheechen herzhaft und bin immer

Dein Mannchen