Johannes Ließem an seine Frau Elsbeth, 22. August 1940

22. August

Meine liebe Elsbeth!

Zuerst mal wieder viele herzliche Grüße von Deinem Mannchen. Gestern fuhren wieder 12 Urlauber in die Heimat. Die Glücklichen! Wir hatten gestern dadurch riesige Arbeit. Das ganze Zimmer war voll von Paketen zum Abwiegen, Versiegeln und Bescheinigen, daß weder „Perserteppiche, Ölgemälde, Gold und Silbersachen, Kunstgegenstände, Pelze, sowie Hamsterwaren und Plünderungsgut“ drinnen stecke. Die meisten waren zu schwer. Aber ein richtiger Soldat weiß sich zu helfen. Heute morgen beim Einsteigen waren fast alle viel viel dicker geworden. Sie hatten sich die Stoffe, Strümpfe, „Kombineechen“ und Gottweißwas um den Leib gedreht. Die Taschen waren vollgepfropft und einer war dabei, der so umwickelt war, daß er im Lastwagen nicht sitzen konnte. Anliegend schicke ich Dir nochmal etwas Gummiband und Pfeffer. Wenn Du keinen Bedarf mehr dafür hast, gib etwas davon anderen. Pfeffer kann doch sicher jeder gebrauchen.

Übrigens hat unser Batl. ein Frontkino eingerichtet. Vorgestern abend war ich drin. Eintritt 15 Pfennig. Es ist mal etwas Abwechslung. U. A. wurden 2 Frontfilme gegeben. Wir sahen manche Stätten, wo auch wir durchgekommen waren, so z. B. Tournai, wo aus den Trümmern die Kirche noch unversehrt herausragte (ich habe Dir davon erzählt). Auch Valenciennes und andere Orte und Städte, die uns bekannt waren.

Gerade habe ich von Deinem Bild den Staub abgeputzt und nun schaust Du und Dorotheechen mich wieder frisch und aus blanken Augen an. Es ist so schön. Das Bildchen hat mich doch nun schon von Detmold der Eifel an begleitet und dadurch wird es mir auch immer lieber. Überall, wo wir länger als 2 Tage gelegen haben, habe ich es ausgepackt und aufgestellt.

Ich denke noch immer an die schönen Urlaubstage zurück und muß Dir nochmal sagen, daß es doch ein großes Fest war. Es war doch so schön und es war eine ungetrübte Freude. Warst Du mal bei dem Bonner Arzt? Teile mir doch bitte die Adresse mit.

So, mein liebster Moritz! Jetzt nehme ich Deinen Kopf in meine Hände und drücke Dir einen ganz herzlichen Kuß auf Deinen lieben schönen Mund. Ich umarme Dich so, wie ich es diese Nacht zum erstenmal im Traum getan habe - und das war sooo schön - Ich bin immer Dein
Hannes