Gustav Roos an Vater Toni, 20. Juli 1942

Russland, am 20.7.1942

Lieber Vater!

Vor ein paar Stunden erhielt ich Deinen Brief vom 25. Juni. Dafür, für Blättchen und das Photo vielen Dank!

Von Brühl kommt überhaupt keine Post mehr. Der letzte Brief stammte vom 21.6. und die Post von dort nach hier dauert selten mehr als 10 Tage!

Nebenbei ist es tatsächlich wahr. Du bist hundemager geworden, man sieht Dich beinahe nicht mehr!! Von mir kann ich nur das Gegenteil sagen: Ich fresse und gedeihe! Als ich heute, um Deinen Brief zu holen zum Btl. kam, sagte man mir nur

ich müsse aufpassen, dass ich nicht einmal platze. Unsere Verpflegung ist etwas dünner geworden. Das liegt wohl an den Transportschwierigkeiten für Nahrungsmittel im Sommer und ausserdem fällt sicher viel Wagenraum dem Munitionsnachschub zu! Mit Zigaretten ist es auch wieder faul, ich sehe mich gezwungen, eisern zu drehen. Der Russe ist, wie ist gestern schon schrieb, wieder ganz ruhig. Damit wir merken, dass er überhaupt noch da ist, setzt er ab und zu mal einen mit dem Granatwerfer in das Gelände und streut mit seinen M-G’s.

Heute konnten wir nach langer Zeit einmal wieder 2 Überläufer

verhören. Sie sagten, dass das Essen bei ihnen schlecht sei, Munition aber massenhaft ankäme. Sie haben grosse Ausfälle durch unser Feuer. Die Stimmung sei aber nicht so schlecht; da viele Sibirer da seien. Im übrigen waren sie genau darüber orientiert, dass wir Sewastopol und Woronesch hatten. Das würde allabendlich von ihren Offizieren durchgegeben.

Na, und im übrigen lässt es sich gut aushalten hier. Zwar von Kultur und Zivilisation keine Spur. Häuser und Dörfer sind keine zu sehen, alles verbrannt. Aber darauf verzichten wir gerne; denn wir haben

uns anständige Bunker gebaut. Das Wetter ist herrlich, die Sonne brennt und wir nehmen, soweit es die Lage und der Russe es gestatten, ausgedehnte Sonnenbäder.

Und nun genug für heute! Wenn ich Nachricht von Mutter und Günther bekomme, schreibe ich Dir auch wieder!

Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute und sende Dir die herzlichsten Grüße!

Heil und Sieg!
Gustav