Anna Schmitz an ihren Sohn Rudolf, 22. Januar 1940

Köln-Dellbrück, 22. Januar 40.

Mein lieber Junge!

Nun erhielt ich heute schon Deinen lieben Brief vom Samstag, den 20.1., nachdem ich vorgestern Deine Zeilen vom 17.1. erhalten hatte. Liegt das an der neuen Nummer, daß die Post schneller geht? Das wäre ja fein. –

Ich bin so froh, zu hören, daß Du gesund bist. Habt Ihr auch Ohrenschützer da draußen? Seid Ihr gut warm? Und des Abends, sitzt Ihr ordentlich warm? Habt Ihr noch Wasser? Die Kälte nimmt fast überhand. Heute früh waren hier 19° minus, also fast 20°. Und trotzdem, man erkältet sich jetzt nicht so leicht. als bei dem nassen Wetter. Die armen Jungens, die Posten stehen müssen! Nein, es ist zu arg. Und man kann nichts ändern. Wie lange die Kälte wohl noch anhält. Seit Neujahr ist es so kalt. Im Osten muß es ja furchtbar sein. Herr Schmidtke kam gestern Abend zurück, dort seien 35° gewesen. Er hat sich verlobt, trägt einen Stahlring. Heute schmeckt der Dienst noch nicht! H. Sch. hat mir ½ Pfd. Butter + ein schönes Huhn als Gruß von seinen Eltern mitgebracht. Ich werde mich revanchieren. Ich werde ihm etwas zur Verlobung schenken. Ich dachte schon mal ein schönes Bild vom Kölner Dom, eine Radierung vielleicht, schön gerahmt. Was meinst Du? Herr Bentin war gestern auch auf einige Stunden da. Er ist bis zum 29.1. noch in Mülheim. Na ich habe wieder etwas Leben im Hause. Und wann kommt der, der mir der Liebste ist? Jeden Tag habe ich gewartet, und jeden Abend war ich enttäuscht! Aber, wir müssen Geduld haben, so schwer es auch wird. Der liebe Gott wird schon alles zu unserem Besten lenken. Daran muß man

denken, damit man sich härtet. So viele sind noch hier, der junge Mariaux, der Öder, der Höntgensberg + so viele Andere. Hast Du auch sonst noch was gehört, ich meine, hast Du Post bekommen, von M. von H. Kirste, von Radermacher, gelt, ich bin neugierig? Nun bleibe mir gesund + wohlauf, und komme bald. Sei recht, recht herzlich gegrüßt + geküßt
von
Deiner alten Mutter.

Schlößers lassen grüßen, ebenso Oma + alle anderen Lieben.